

Zuchtwerte für Beef on Dairy – für leichtere Geburten und höhere Verkaufserlöse
Mit der August-Zuchtwertschätzung 2025 gibt es spannende Neuerungen bei den Fleischrassebullen. Endlich stehen Landwirten bei der Anpaarung von Fleischrassebullen auf Holsteinkühe nicht mehr nur phänotypische Abweichungen für einzelne Merkmale zur Verfügung, sondern Zuchtwerte für fünf Merkmale. So werden Anpaarungsentscheidungen für Beef on Dairy (BoD), also Gebrauchskreuzungen, zukünftig deutlich objektiver.
Beef on Dairy gezielt nutzen statt pauschal einsetzen
Der Einsatz von Fleischrindergenetik im Milchviehbetrieb hat sich in den vergangenen Jahren stark etabliert. Beef on Dairy ist für viele Betriebe ein wichtiger Baustein, um aus nicht für die Remontierung benötigten Kühen wirtschaftlich attraktive Kreuzungskälber für die Mast zu erzeugen. Gleichzeitig zeigt die Praxis: Eine pauschale Lösung gibt es nicht. Jeder Betrieb unterscheidet sich in Herdenstruktur, Management, Abkalbesicherheit und Vermarktungszielen.
Am Anfang jeder Beef‑on‑Dairy‑Strategie stehen daher grundlegende Fragen: Wie viele Färsen werden tatsächlich für die eigene Remontierung benötigt – und reicht diese Zahl aus, um noch konsequent selektieren zu können? Welche Priorität haben problemlose Abkalbungen gegenüber maximalem Kälbererlös? Und welche Anforderungen stellen Aufzucht‑ und Vermarktungspartner?
Genau hier setzen die neuen Beef‑on‑Dairy‑Zuchtwerte an. Sie schaffen erstmals eine belastbare, rassenübergreifende Grundlage, um Fleischrinderbullen gezielt nach den eigenen betrieblichen Zielen auszuwählen – statt allein nach Rasse oder Erfahrungswerten.
Warum eigene Beef on Dairy Zuchtwerte notwendig sind
Bislang standen Milchviehhaltern für Beef‑on‑Dairy‑Anpaarungen überwiegend phänotypische Kennzahlen zur Verfügung, etwa Anteile an Schwer‑ oder Totgeburten aus der Praxis. Diese Informationen waren hilfreich jedoch nur eingeschränkt vergleichbar.
Mit den neuen Beef‑on‑Dairy‑Zuchtwerten wurde deshalb bewusst eine eigene Zuchtwertbasis geschaffen. Grundlage sind alle in den letzten fünf Jahren geborenen Beef‑on‑Dairy‑Kälber. Die Zuchtwerte werden getrennt von der Holstein‑Population ausgewiesen, da sich Fleischrassen und Milchrinder deutlich in Kalbeeigenschaften und genetischer Ausrichtung unterscheiden. Grundlange sind mehrere gängige Fleischrassen, u. a. Angus, Limousin, INRA 95, Charolais, Blonde d’Aquitaine, Fleckvieh, Uckermärker Weißblaue Belgier (und British Blue) in der Gebrauchskreuzung.
Für die Praxis bedeutet das: Die neuen Zuchtwerte beschreiben den erblichen Beitrag des Bullen und ermöglichen damit objektivere und besser planbare Anpaarungsentscheidungen.
Kalbeeigenschaften im Fokus: KVd und TGd
Ein zentrales Thema beim Einsatz von Fleischrindergenetik ist der Geburtsverlauf. Die neuen Beef‑on‑Dairy‑Zuchtwerte liefern hierzu erstmals vergleichbare Kennzahlen über alle relevanten Rassen hinweg:
- Kalbeverlauf direkt (KVd)
Dieser Zuchtwert beschreibt, wie leicht oder schwer die Kälber eines Bullen im Durchschnitt geboren werden. Hohe KVd‑Werte stehen für einen problemlosen Geburtsverlauf, geringeren Arbeitsaufwand und eine bessere Startphase für die Kuh. - Totgeburten direkt (TGd)
Der TGd‑Zuchtwert zeigt das genetische Risiko für Totgeburten bei den Nachkommen eines Bullen. Gute Werte deuten auf eine höhere Kälbervitalität und geringere Verluste hin.
Beide Merkmale werden auf einer Beef‑on‑Dairy‑eigenen Basis ausgewiesen und zusätzlich als Abweichung vom jeweiligen Rassemittel dargestellt. Damit wird sichtbar, dass es nicht nur Unterschiede zwischen den Rassen gibt, sondern auch deutliche Unterschiede innerhalb einer Rasse.
Kälbergewicht und Kälbererlös: Wirtschaftlichkeit messbar machen
Neben der Abkalbesicherheit spielt der Erlös beim Verkauf der Kälber eine Rolle. Deshalb wurden ergänzend Zuchtwerte für Kalbgewicht und Kälbererlös eingeführt.
Diese Zuchtwerte basieren auf einer besonders praxisnahen Datenbasis:
- echte Kälbergewichte
- reale Verkaufspreise
- Vermarktung im Alter von etwa vier bis sechs Wochen
Beide Merkmale werden auf der Naturalskala angegeben, also direkt in Kilogramm bzw. Euro. Kalbgewicht und Kälbererlös sind zwar eng miteinander verbunden, beschreiben aber nicht exakt dasselbe. Deshalb sollten sie getrennt betrachtet werden.
Für den Milchviehhalter bedeutet das: Er kann gezielt Bullen auswählen, deren Nachkommen nicht nur sicher geboren werden, sondern auch den Anforderungen des Marktes entsprechen und stabile Erlöse erzielen.
Zuchtwerte richtig lesen: Orientierung für den Betriebsalltag
Die neuen Beef‑on‑Dairy‑Zuchtwerte sind bewusst praxisnah aufgebaut. Abkalbezuchtwerte wie KVd und TGd werden als Relativzuchtwerte mit einem Mittelwert von 100 ausgewiesen. Werte über 100 liegen über dem Durchschnitt.
Die Vermarktungszuchtwerte werden direkt in Kilogramm oder Euro angegeben. Ein Beispiel verdeutlicht die Aussagekraft:
Ein Zuchtwert von +6 kg beim Kalbgewicht bedeutet, dass die Nachkommen dieses Bullen im Durchschnitt rund 3 kg schwerer sind als der Mittelwert der Vergleichsgruppe, da der Bulle jeweils die Hälfte seiner Gene und somit auch seines Zuchtwertes vererbt.
Beef on Dairy entlang der Wertschöpfungskette denken
Auch wenn der Milchviehbetrieb das Kalb häufig früh verkauft, gewinnt die Leistung der Kreuzungstiere in der anschließenden Mast zunehmend an Bedeutung. Der Anteil der Beef‑on‑Dairy‑Besamungen liegt in Deutschland mittlerweile bei rund 25 % – Tendenz steigend.
Gleichzeitig erwarten Mast‑ und Vermarktungspartner zunehmend gleichmäßige, vitale Kälber mit bekanntem genetischem Hintergrund. Projekte und Auswertungen entlang der gesamten Produktionskette zeigen, dass eine gezielte Bullenwahl bereits im Milchviehbetrieb die Grundlage für stabile Erlöse und langfristige Absatzbeziehungen legt.
Fazit: Ein neues Werkzeug für moderne Milchviehbetriebe
Die neuen Beef‑on‑Dairy‑Zuchtwerte sind ein wichtiger Schritt hin zu mehr Transparenz und Planungssicherheit. Sie ermöglichen es, Fleischrinderbullen nicht mehr pauschal nach Rasse, sondern gezielt nach Kalbeeigenschaften, Wachstum und Vermarktungspotenzial auszuwählen.
Für Milchviehhalter bedeutet das:
Beef on Dairy wird besser steuerbar, wirtschaftlicher und sicherer – angepasst an die individuellen Ziele des eigenen Betriebs.
Praxis Takeaways für den Betrieb
- Klare Ziele definieren: Abkalbesicherheit, Erlös oder ein ausgewogenes Verhältnis?
- KVd und TGd gezielt zur Risikominimierung einsetzen.
- Innerhalb der Rasse selektieren, statt pauschal zu entscheiden.
- Kalbgewicht und Kälbererlös getrennt bewerten.
- Beef on Dairy als Teil einer langfristigen Zucht‑ und Vermarktungsstrategie verstehen.






