RUWschau 2025 - Schaukühe auf höchstem Niveau

Vier lange Jahre mussten die schaubegeisterten RUW-Betriebe warten, ehe es endlich wieder hieß: RUW-Schau in Hamm.

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    Laura Köster führt KOE Justine zum Höhepunkt des Tages in den Ring – kurze Zeit später wird diese Ausnahmekuh zum Grand Champion gekürt. © Photo`s by Fleur Maartje
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    In den stark besetzten mittleren schwarzbunten Kuhklassen mit zwei und drei Abkalbungen stellten sich zwölf erstklassige Kühe zur Siegerauswahl im Ring auf. © Photo`s by Fleur Maartje

Blauzungenbedingt musste die letzte RUW-Schau 2023 kurzfristig abgesagt werden. Nur allzu gut konnte man den Frust aller Beteiligten verstehen. Schaukühe wollen in den Ring und Züchter wollen ihre Kühe zeigen. Davon lebt die Szene. Als sich die Schautüren nun endlich wieder öffneten, schien es so zu sein, dass sich die Qualität nun geballt entladen konnte. Eine wohl nie dagewesene Qualität an Schaukühen auf einer RUW-Schau, über alle Rassen hinweg, zeigte sich dem Publikum. 

Rassevielfalt

Traditionell finden sich auf der RUW-Schau nahezu alle hierzulande relevanten Milchviehrassen wieder. Neben den Holsteins wurden auch Fleckvieh, Rotvieh, Braunvieh und Jerseys dem Publikum präsentiert. 

Den Start machte eine exzellente Kollektion an Fleckviehkühen verschiedener Laktationen. Die Kühe zeigten auf hervorragende Art und Weise, wozu diese Rasse in der Lage ist. Eine Kuh stach jedoch besonders hervor. Die Rede ist von der 3-kalbigen Hurly-Tochter WIT Winnipoo vom Betrieb Hielscher aus Leichlingen. Eine Kuh, die es ganz besonders versteht, Milch- und Fleischleistung zu kombinieren. „Viel Breite vom Maul bis zur Keule bei viel Milch und einem hervorragenden Euter“, so der Kommentar des Preisrichters. Die überaus komplette Färse KFV Larita der Besitzergemeinschaft Andreas Simon und Michael Kaufmann holte sich verdient den 1b-Preis.  

Recht neu auf der RUW-Schau ist die Rasse Braunvieh. Bekannt aus dem Süden unseres Landes, hat sie auch im RUW-Gebiet ihre Anhänger gefunden. Bei seiner Kommentierung betonte Preisrichter Jürgen Ballmann aus Venner Moor (OHG), den modernen Typ auf besten Fundamenten. Hier konnte die zuchtbegeisterte Familie Kollenberg aus Marienheide den Erfolg aus der Klasse zuvor nochmals toppen und holte sich mit der fantastischen Bender-Tochter KIT Nyala klar die Siegerschärpe. Mit KIT Satara machten Kollenbergs den Doppelsieg perfekt – was für ein Erfolg!

Auf der letzten German Dairy-Show zeigten die RUW-Rotviehzüchter dem Rest des Landes, was in ihnen steckt. Mit der diesjährigen Klasse auf der RUW-Schau wurde diese Qualität weiter untermauert. Siegerkuh der Angler: WIT Wonder. Eine Färse wie man sie sich nur wünschen kann. Ihre Mutter: Keine geringere als die amtierende Bundessiegerin Wolke – herzlichen Glückwunsch Thomas Wiethege. Knapp geschlagen geben musste sich die enorm typstarke Riga-Tochter Adele aus der Zuchtstätte Heiner Born, Breckerfeld.

Die größte Klasse des Tages gehörte der „kleinsten“ Rasse. Gleich 10 Jerseykühe demonstrierten die Vorzüge der Rasse perfekt. Feinzellige, effiziente Kühe mit besten Eutern. Viel Prominenz verbarg sich hinter den Pedigrees. Es wurde also spannend. An die Spitze setzte sich eine Kuh mit einem Präfix, dass dem Publikum bereits Klassen zuvor bekannt vorkam. KFV Cinderella war „auf dem Punkt“. Das beste Gesamtpaket aus einem sehr klaren Körperbau und einem Traumfundament machte sie zur Siegerkuh. Die Freude der Besitzergemeinschaft Spanier/Kaufmann/Wiethege war riesig. Zur Reservesiegerin wurde die junge Kuh Marvelous der Diersdorf GbR gekürt. Viel Breite und ein fantastisches Euter waren ihre starken Argumente. 

Junge Holsteintalente

Färsen sollten die aktuellen Ansprüche, die an eine moderne Holsteinkuh gestellt werden, am besten widerspiegeln. Dazu waren die Klassen der rot- und schwarzbunten Färsenklassen absolut in der Lage. Junge Kühe, die Jugendlichkeit, Entwicklungspotential, Leistungsbereitschaft und Schautyp miteinander kombinieren. Die Preisrichter müssen in ihren Entscheidungen stets die Balance finden zwischen Jugendlichkeit und Schautyp sowie der Fähigkeit einer Kuh, in modernen Stallsystemen zurechtzukommen. 

Drei Färsenklassen gingen in der schwarzbunten Konkurrenz an den Start, an deren Spitze sich jeweils drei recht unterschiedliche Kühe setzten. Da war zum einen die sehr junge, milchtypische Mox Alyzee, eine Lambda-Tochter von Thomas Wiethege, die nicht zuletzt mit ihrer sehr offenen Rippe, gepaart mit viel Länge und Stil zu überzeugen wusste. Dairy Strength nennt man die Kombination aus Stärke und Kapazität auf der einen Seite und Milchadel und Offenheit in der Rippe auf der anderen Seite. Unixfreaky von Dominik Hannuschke konnte genau damit Dirk Haßbargen überzeugen. Der bekannte Preisrichter aus dem Gebiet des VOST hatte das Rangieren und Kommentieren der schwarzbunten Holsteins übernommen. Die älteste schwarzbunte Färsenklasse konnte die Army-Tochter SBH Armyly mit viel Stäke und Länge gewinnen. „Sie bringt ganz viel mit“, so Haßbargen in der Begründung. Eine Färse mit Zukunft für Laura und Friedrich Köster aus Steinfurt. Zur Siegerfärse wurde schlussendlich die jüngste dieser drei Ausnahmetalente gekürt: Alyzee von Thomas Wiethege.

Die rotbunten Färsen machten in zwei starken Klassen die Siegerin aus. Hier setzten sich jeweils zwei sehr kapitale Färsen durch. „Ein enges Match“ war es in der ersten Klasse, in der sich die GLOBAL-Tochter Goldfee durchsetze. Eine Färse, die sich wohl in jedem Stallsystem durchsetzt. Die Freude bei Lennard Landwehr war groß. Für Goldfee musste nun eine Rivalin für die Siegerauswahl her. Diese wurde mit KOE Rainflower gefunden. Die Playboy-Tochter setzte sich in ihrer Klasse an die Spitze und verwies die schicke Mirand PP-Tochter Tusnami von Hugo Berners aus Simmerath auf den zweiten Platz. Diese Konstellation fand sich dann auch bei der Auswahl zur rotbunten Siegerfärse wider: Rainflower siegt vor Tusnami und wurde im Anschluss zum Junior Champion der RUWschau gekürt. Es sollte nicht der einzige Erfolg für die Familie Köster bleiben. 

Große Konkurrenz

Den größten Auftrieb an Kühen bilden die mittleren Kuhklassen mit 2 und 3 Abkalbungen. So kam es, dass sich gleich zwölf 1a- und 1b-Kühe bei der Siegerauswahl im Ring aufstellten. Die erste Klasse konnte eine COSINUS-Tochter vom Meuteshof aus Rommersheim gewinnen. Eine „komplette Kuh mit ganz viel Milchadel“, so Haßbargen. Eine Kuh sehr jugendlicher Machart konnte die zweite Klasse gewinnen. Familie Zehren aus Kirf freute sich über den Erfolg. Ein weiterer ersten Platz ging an eine Sauerländerin. Mit der äußerst kompletten Genius-Tochter Irene war die Ilpe Milch KG aus dem Hochsauerland erfolgreich. Eine großartige Kuh, die ihre Zukunft noch vor sich hat. Im Anschluss hatte die Zuchtstätte Leonie und Ludger Wiewer aus Drenssteinfurt ihren ersten großen Auftritt des Tages. In der vielleicht stärksten Einzelklasse des Tages setzte sich ihre die Lambda-Tochter WR Macey an die Spitze. Eine vollkommende Kuh, der die Zukunft gehört. Die zuchtbegeisterte Familie Benning aus Bocholt freute sich ebenfalls über einen Klassensieg ihrer wunderbare Avatar Red-Tochter Princes, die mit ihrer Jugendlichkeit und einem super Euter alles klar machte. Ein Nationalschauniveau bescheinigte Dirk Haßbargen der Spitze einer weiteren Klasse, in der sich CNN Michigan durchsetzte. Die Copyright-Tochter von der Köster KG, ersteigert auf der monatlichen Auktion in Hamm, überzeugte mit ganz viel Stil, Drüsigkeit im Euter und einem großartigen Seitenbild. Bei der Siegauswahl schwarzbunt Mittel wurde sie Reservesiegerin hinter der außergewöhnlichen Siegerkuh WR Macey, die an diesem Tag nicht zu schlagen war. 

Auch in der ersten Klasse der mittleren rotbunten Kühe trägt die Siegerin das Präfix WR. Und das gleich „doppelt“. Denn ihr Vater ist ein selbstgezogener Crown-Red-Sohn aus der bekannten WR Minnessota. Was für ein Erfolg! In der zweiten Klasse ging kein Weg an Marina vorbei. Die Redeye-Tochter zeigte sich mit viel Balance in Typ und Euter. Ihre Ronald-Schwester Mascha zeigte sich in der nächsten Klasse ebenfalls „auf dem Punkt“. Die Mutter dieser schönen Schwestern ist eine der wohl besten Töchter des RUW-Vererbers MATISSE RED: Matika EX-93. Herzlichen Glückwusch an Hugo Berners aus Simmerath! In der Siegerauswahl mussten sich die beiden nur von WR Ohio geschlagen geben. Der Doppelerfolg von Wiewer war damit perfekt.

Atemberaubende alte Kühe

Gibt es für einen Preisrichter etwas schöneres und zugleich etwas undankbareres als das Richten alter Kuhklassen? Dem Preisrichterduo gelang es auf hervorragende Art und Weise, die verdientesten Kühe der Schau zu würdigen. Die starken Kommentierungen untermalten auf perfekte Art und Weise die Auftritte der alten Kuhklassen. Gänsehaut pur! Chapeau an Jürgen Ballmann und Dirk Haßbargen.

Wie in einem Traum muss es Familie Kohlgrüber aus Kürten ergangen sein. Ihre Kuh Lennya hat mit der Väterfolge Laurent P x Carmano viel RUW-Zuchtprogramm in sich. Wie Phönix aus der Asche triumphierte sie vor einigen Wochen bereits auf der Bezirkstierschau des Bergischen Landes. Angetrieben von diesem Erfolg meldeten Kohlgrübers Lennya auch zur RUW-Schau an. Diese Kuh wie aus dem Bilderbuch war auch hier nicht zu schlagen und gewann ihre Klasse. In der zweiten Klasse der ältesten Kühe war der bekannte Zuchtbetrieb Lüpschen aus Lohmar mit der Gymnast-Tochter UEH Nura erfolgreich. Diese schneeweiße Kuh setzte sich mit einer enormen Ringpräsenz, ganz viel Typ und einem Euter, wie man es sich bei einer Kuh hoher Lebensleistung nur wünschen kann, durch. Den Sieg in der letzten Einzelklasse des Tages holte sich THI California. Eine Ausnahmekuh in vielerlei Hinsicht. Sie erwischte einen Sahnetag und setzte sich trotz enormer Konkurrenz durch. Dirk Haßbargen zeigte sich sichtlich ergriffen von der Qualität dieser besonderen Kuhklasse mit Kühen mit teils über 100.000 kg Lebensleistung. 

Aber auch hier darf sich am Ende des Tages nur eine Kuh „Siegerkuh Alt“ nennen: Lennya von Kohlgrüber. 

Eine nicht minderschwere Aufgabe hatte Jürgen Ballmann mit den Entscheidungen bei den alten rotbunten Kühen. Als wahre Urgewalt betrat KOE Justine den Ring. Ballmann nannte sie einen „Easy Winner“. Er wählte seine Worte bewusst und benannte die Qualität dieser Ausnahmeerscheinung mit Ausdrücken wie „das Nonplusultra“, „überwältigend“ oder „Powerhouse“. Spätestens ab hier war klar, diese Kuh spielt heute noch eine Rolle. Also die sichere Siegerkuh Alt? Nein – denn es kam noch die letzte rotbunte Klasse alter Kühe. Und mit WIT Kanutin betrat eine Kuh den Ring, die nicht nur ihre Klasse locker und leicht gewinnen konnte, sondern auch fast die 100.000-Liter-Grenze überschritten hatte. Zudem wurde sie mit den Worten, „darum züchten wir“ beschrieben.  Eine Kuh wie ein Denkmal. Schlussendlich wurde es aber KOE Justine, die sich Siegerkuh Alt nennen darf. 

Lebensleistungsklassen

Eine mittlerweile schöne Tradition auf der RUW-Schau ist die besondere Würdigung und Präsentation der höchsten Lebensleistungen. Nochmals viel Emotionen im Ring. Höchste Lebensleistungskuh darf sich in diesem Jahr die Snow-Tochter Rosa von Familie Ewig nennen. Die typstarke Kuh hat bereits über 120.000 Liter Milch produziert.

Den Titel der Kuh mit der höchsten 3-Generationen-Leistung musste sie jedoch ganz knapp an THI California abgeben. Mit fast 300.000 kg setzt diese Board-Tochter neue Maßstäbe. Noch beeindruckender erscheinen diese Zahlen mit dem Wissen, dass ihre Mutter und Großmutter jeweils über 10 Tonnen Fett- und Eiweiß-kg produziert haben. Des Weiteren fällt diese Kuhfamilie immer wieder mit höchsten genomischen Nachkommen auf. Eine rekordverdächtige Geschichte!

HUSAR P

Mit HUSAR P und ARIZONA konnte die RUW gleich zwei Nachzuchten präsentieren. Mit einem RZG von 141 hat sich HUSAR P in die TOP 10 töchtergeprüfter Bullen gesetzt. Damit ist der Hulk-Sohn zweithöchster Hornlosbulle unter den erbwertgeprüften Bullen. Die lackschwarzen Töchter präsentierten sich mit hervorragenden Eutern und besten Fundamenten. Besonders die perfekte Strichlänge und -platzierung sind hervorzuheben.  Unter Beachtung der Beckenlage sind von HUSAR P leistungsstarke, problemlose Kühe mit Robotereignung zu erwarten. Die hohen Eiweiß-Prozente (+0,19) bei viel Milch (+1272 kg) runden seine Vererbung ab. Außerdem ist HUSAR P ein Bulle, der eine schnelle Melkbarkeit (102) mit einer sehr guten Eutergesundheit (111) verbindet. Sein Mortellaro-Zuchtwert von 120 unterstreicht die beste Klauengesundheit seiner Töchter. 

ARIZONA

Mit viel Spannung wurden die ersten Töchter des Bullen ARIZONA erwartet. ARIZONA ist die ehemalige Nr. 1 der genomischen Jungbullen und ein erfolgreicher Bullenvater. Unter anderem hat er mit ARGENTUM einen Sohn oben in den Toplisten platziert. Im letzten Geschäftsjahr war ARIZONA der meisteingesetzte RUW-Bulle. Die ersten ca. 35 Töchter hatten zum Zeitpunkt der Vorauswahl gekalbt. Da das Vertrauen in ARIZONA groß ist, hat die RUW sich entschieden, bereits eine Töchtergruppe zu zeigen. Die sechs ausgestellten Färsen zeigten das, was man von ihm erwartet: mittelrahmige Färsen mit guter Stärke und sehr hoher Leistungsbereitschaft bei besten Qualitätseutern. Die milchtypischen dunkelschwarzen Tiere zeigten darüber hinaus die Entwicklungsfähigkeit, die man von einer modernen Holsteinfärse erwartet. Die präsentierten Färsen haben mit deutlich unter 24 Monaten abgekalbt, bei gleichzeitig durchschnittlich über 40 kg Milch in den ersten Kontrollen. Der erste Töchterzuchtwert von ARIZONA ist abzusehen. Mit immer noch 146 gRZG und 2357 gRZ€ ist von ARIZONA einiges zu erwarten.  

Grand Champion

Bei der Wahl des Grand Champions kamen nochmal die 4 Siegerkühe der mittleren und alten Kuhklassen in den Ring. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit wurden die Kühe ausgemolken präsentiert. Jürgen Ballmann betonte, dass die Kühe auch und gerade mit leerem Euter ihr Ausnahmequalitäten nochmals bestätigten. Leider konnte nur eine am Ende des Tages ganz vorne landen. Die Wahl fiel auf KOE Justine. Damit konnte die Zuchtstätte Köster aus Steinfurt ihre Titel aus den vergangenen Jahren erfolgreich verteidigen. Herzlichen Glückwunsch! 

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