Bei der Vertreterversammlung der Rinder-Union West eG in den Zentralhallen Hamm begrüßte der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Wilhelm Derksen die anwesenden Vertreter, den Vorstand, den Aufsichtsrat sowie Gäste und Pressevertreter. Gemeinsam mit der Geschäftsführung stellte er die Ergebnisse des Geschäftsjahres 2024/25 vor, in dem die RUW auf eine insgesamt erfolgreiche Entwicklung zurückblickt.
Das positive Ergebnis wurde maßgeblich durch einen starken Spermaabsatz sowie ein Umsatzplus in der Viehvermarktung infolge sehr guter Preise – trotz rückläufiger Stückzahlen – getragen. Gleichzeitig prägte die Blauzungenkrankheit das Marktgeschehen spürbar. Mit Blick auf die Zukunft stand insbesondere der operative Start der Phönix Group GmbH im April im Fokus, der einen wichtigen Schritt in der Weiterentwicklung der Zuchtarbeit darstellt und in dem die RUW eine zentrale Rolle übernimmt.
Ertragslage
Im Geschäftsjahr 2024/25 steigerte die Rinder-Union West eG ihre Gesamtleistung auf rund 55,1 Mio. EUR und damit um 5,9 % gegenüber dem Vorjahr (52 Mio. EUR). Trotz eines Anstiegs der ordentlichen Aufwendungen um 4,7 % verbesserte sich das Betriebsergebnis auf 885 TEUR. Damit wurde das Vorjahresergebnis deutlich übertroffen. Unter Berücksichtigung des Finanzergebnisses, des neutralen Ergebnisses sowie der gewinnabhängigen Steuern resultiert ein Jahresüber-schuss nach Steuern von knapp 1,1 Mio. EUR.
Warenrückvergütung von 750 TEUR
Neben der weiteren Stärkung des Eigenkapitals ermöglicht das erzielte Ergebnis erneut die Ausschüttung einer Warenrückvergütung. Auf Grundlage der positiven Geschäftsentwicklung sowohl im Bereich der Besamung als auch in der Zucht- und Nutzviehauktionsvermarktung wird den Mitgliedsbetrieben für das abgelaufene Geschäftsjahr eine Warenrückvergütung in Höhe von 750 TEUR gewährt.
Gesamtbesamungen auf stabilem Niveau
Die Rinder-Union West eG verzeichnete im Geschäftsjahr 2024/25 erstmals seit vielen Jahren stabile Besamungszahlen. Mit insgesamt 587.469 Besamungen wurde das Vorjahresniveau leicht übertroffen (+1 % bzw. +5.269 Besamungen). Der Geschäftsbereich profitierte insbesondere von vermehrten Nachbesamungen infolge der Blauzungenkrankheit sowie von einem gestiegenen Mengen- und Preisniveau im Spermavertrieb. Die Erlöse erhöhten sich dadurch um rund 1,9 Mio. EUR bzw. 7,8 % auf knapp 25,8 Mio. EUR. Vor dem Hintergrund dieser positiven Entwicklung gewährte die RUW ihren Mitgliedsbetrieben im abgelaufenen Geschäftsjahr erneut einen Rabatt von mehr als 2,3 Mio. EUR auf den Spermabezug.
Rückläufige Tierzahlen bei deutlich steigenden Umsätzen
Im Geschäftsjahr 2024/25 war die Viehvermarktung der RUW von einer außergewöhnlich hohen Nachfrage nach Zucht- und Nutzvieh geprägt. Hintergrund waren insbesondere Verluste durch die Blauzungenkrankheit sowie ein bereits zuvor knappes Angebot an abgekalbten Färsen infolge des verstärkten Einsatzes von Beef-on-Dairy-Sperma. Entsprechend bewegten sich die Preise auf historischen Höchstständen. Trotz eines Rückgangs der vermarkteten Stückzahlen um 17,3 % auf 32.704 Tiere stieg der Umsatz inklusive Provisionen deutlich um 16,2 % auf 45,5 Mio. EUR. Auch in den einzelnen Sparten zeigt sich dieses Bild: Während die Vermarktung von Zuchtvieh um 18,9 % (15.378 Tiere) und von Nutzvieh um 15,8 % (17.326 Tiere) zurückging, konnten die Umsätze um 9,0 % bzw. 52,7 % gesteigert werden. Die Umsatzverteilung blieb dabei unverändert bei rund zwei Dritteln Zuchtvieh und einem Drittel Nutzvieh.
Leichter Rückgang bei Herdbuchbeständen – Zuwachs bei der Herdentypisierung
Im Geschäftsjahr 2024/25 verzeichnete die Rinder-Union West eG einen moderaten Rückgang der Herdbuchbestände. Die Zahl der Herdbuchkühe über alle Milch- und Doppelnutzungsrassen sank um 3.990 Tiere (-1,4 %). Im Bereich Holstein verringerte sich der Bestand um 3.774 Tiere auf 264.035 Kühe. Regional bewegten sich die Rückgänge bei Rot- und Schwarzbunten zwischen 0,5 % in Rheinland-Pfalz/Saarland und 1,8 % in Westfalen auf einem ähnlichen Niveau. Auch die Zahl der Herdbuchbetriebe ging weiter zurück und lag mit 2.302 Betrieben um 139 unter dem Vorjahr.
Unverändert positiv entwickelte sich hingegen die Nachfrage nach den Typisierungs-Programmen: Sowohl KuhVision als auch HerdScan verzeichneten deutliche Zuwächse. Im Programm KuhVision wurden zuletzt 9.642 Tiere erfasst, während HerdScan mit 29.704 Tieren ein noch stärkeres Wachstum aufwies. Insgesamt beteiligen sich aktuell 967 Betriebe an einem der beiden Programme.
Wahlen und personelle Veränderungen
Im Rahmen der Wahlen zum Aufsichtsrat der Rinder-Union West eG wurden Karl-Heinz Arden und Andreas Landwehr (Region Nordrhein), Bernd Lösing und Arndt Hantsche (Region Westfalen) sowie Tanja Laures (Region Rheinland-Pfalz/Saarland) in ihren Ämtern bestätigt. Das langjährige Aufsichtsratsmitglied Stefan Siepermann wechselte in den Vorstand und folgt auf Josef Mathweis, der altersbedingt aus dem Gremium ausschied. Neu in den Aufsichtsrat wurde Iris Böhl aus Erndtebrück gewählt. Die RUW dankt Josef Mathweis ausdrücklich für sein langjähriges Engagement und seinen prägenden Beitrag zur Entwicklung der Genossenschaft. Mit großer Fachkompetenz und hohem Verantwortungsbewusstsein hat er die RUW über viele Jahrzehnte begleitet und wichtige Impulse für ihre Zukunft gesetzt.
CO₂-optimierte Landwirtschaft
In einem aktuellen und aufschlussreichen Vortrag beleuchtete Markus Röser, Leiter Kommunikation, Public Affairs & Nachhaltigkeit bei BASF, das Thema „CO₂-optimierte Landwirtschaft aus Sicht eines Global Players“. Er führte aus, dass die Landwirtschaft in Deutschland mit rund 8 % der CO₂-Emissionen einerseits eine relevante Quelle von Treibhausgasen darstellt, andererseits jedoch ein enormes Potenzial besitzt, Kohlenstoff zu binden und Emissionen zu reduzieren. Ein zentraler Begriff seines Vortrags war das sogenannte Carbon Farming. Darunter versteht man landwirtschaftliche Methoden, die darauf abzielen, CO₂ aus der Atmosphäre aufzunehmen und langfristig im Boden – etwa in Form von Humus – oder in der Biomasse zu speichern. Ziel ist es, Treibhausgasemissionen zu senken, die Bodenfruchtbarkeit zu verbessern. BASF hat hierzu ein Modell entwickelt, das die gesamte Wertschöpfungskette landwirtschaftlicher Produkte (wie z. B. Weizen) einbezieht – vom Landwirt über den Großhandel bis hin zum Einzelhandel und den Endverbrauchern. Die Zielsetzungen sind klar formuliert: eine Steigerung von Produktivität und Qualität, die Förderung der Biodiversität sowie die Reduktion von CO₂-Emissionen. Durch Nachhaltigkeitslabel und Zertifikate werden diese modernen Standards transparent gemacht und zugleich wirtschaftlich nutzbar.
Die Vertretersammlung der Rinder-Union West eG hat einmal mehr gezeigt, dass die Genossenschaft mit wirtschaftlicher Stabilität, klarer strategischer Ausrichtung und starkem Engagement ihrer Mitglieder bestens für die zukünftigen Herausforderungen der Branche aufgestellt ist.
Die 34. Ordentliche Vertreterversammlung der Rinder-Union West eG findet am 18. März 2027 in den Zentralhallen in Hamm statt.










