Der gemeinsam von der RUW Münster und der Landwirtschaftskammer NRW organisierte Kälbertag auf Haus Düsse am 29.01.2026 stieß mit rund 85 Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf große Resonanz und kann als voller Erfolg gewertet werden. Die Veranstaltung bot ein vielseitiges Programm rund um aktuelle Themen der Kälberaufzucht, Tiergesundheit und zukünftige Entwicklungen im Kälbermarkt.
Das große Interesse von Züchtern, Aufzüchtern, Mästerinnen und Mästern sowie weiteren Interessierten aus der Kälberbranche zeigt deutlich: Der Kälbertag wird auf jeden Fall wieder stattfinden. Während aller Vorträge bestand die Möglichkeit, Fragen zu stellen und sich aktiv in die Diskussionen einzubringen. Dabei wurden auch kritische Anmerkungen zu einzelnen Themen geäußert – ein Austausch, von dem am Ende alle Beteiligten profitieren können.
Den Auftakt machte Paul Berghuis, Geschäftsführer der Berghuis GmbH, der sein Unternehmen und dessen Rolle im europäischen Kälberhandel vorstellte. In seinem Vortrag gab er einen Überblick über die Marktbeziehungen in Europa und äußerte die Einschätzung, dass Jungvieh in den kommenden Jahren europaweit knapper werden dürfte. Ein besonderes Anliegen ist ihm die bessere Erfassung und Nutzung von Gesundheitsdaten der Kälber, um diese gezielter nach gesundheitlichen Voraussetzungen zu sortieren und so die Wertschöpfung für Mäster und Züchter zu verbessern – beispielsweise durch gezielte Impfstrategien.
Prof. Dr. Marc Boelhauve vom Fachbereich Agrarwirtschaft der Fachhochschule Südwestfalen in Soest ging anschließend auf den „richtigen Kälberstart“ ein. Er erläuterte, wie wichtig es ist, die sogenannte immunologische Lücke zu verkürzen, die zwischen der passiven Immunisierung durch Kolostrum in den ersten Lebenstagen und dem Aufbau des eigenen Immunschutzes des Kalbes entsteht.
Dr. Mark Holsteg vom Rindergesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer NRW stellte in seinem Vortrag verschiedene Maßnahmen der Gesundheitsprophylaxe in der Kälberaufzucht zur Reduzierung von Erkrankungen vor. Dabei ging er unter anderem auf die BRSV-Impfung ein und machte deutlich, dass es sich hierbei um eine Virusinfektion handelt, die nicht mit Antibiotika behandelt werden kann.
Dr. Thomas Breuer von der Zoetis Deutschland GmbH aus Berlin widmete sich dem Thema Mycoplasma bovis beim Kalb. Er erklärte, wie die Erkrankung erkannt werden kann und welche Maßnahmen im Umgang damit sinnvoll sind. Da nur wenige Antibiotika gegen Mykoplasmen wirksam sind, stellte er insbesondere die Möglichkeiten und Vorteile einer Impfung heraus.
Prof. Dr. Steffi Wiedemann, Professorin für Nutztierwissenschaft und Umweltwirkungen an der Hochschule Rhein-Waal in Kleve, berichtete aus dem Projekt „InnoRind – Innovationen in der Kälberhaltung: Empfehlungen für die Praxis“. Im Rahmen des Projekts wurde unter anderem der Frage nachgegangen, ob Kälber bei der Kuh aufgezogen oder direkt nach der Geburt von der Mutter getrennt werden sollten. Dazu wurden unterschiedliche Haltungsformen – Einzelhaltung, Gruppenhaltung, Ammenhaltung und muttergebundene Aufzucht – in umgestalteten Stallsystemen praxisnah erprobt und miteinander verglichen.
Abschließend stellte Franziska Deising vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie aus Köllitsch verschiedene Möglichkeiten der Digitalisierung und Automatisierung in der Kälberhaltung vor, die auf dem Versuchsbetrieb in Köllitsch getestet wurden. Dabei wurden unter anderem unterschiedliche Systeme der automatischen Milchfütterung verschiedener Hersteller verglichen sowie die Möglichkeiten aufgezeigt, mit dieser Technik Gesundheitsdaten der Kälber zu erfassen.
Die RUW Münster bedankt sich bei allen Referentinnen und Referenten sowie bei den zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für das große Interesse. Ein besonderer Dank gilt zudem der Firma Zoetis für die freundliche finanzielle Unterstützung der Veranstaltung.


