Besuch mit bleibendem Eindruck

Besuchergruppe aus Großbritannien zu Gast bei der RUW

  • RUW eG

Am 28. und 29. Juli 2026 durfte die RUW eine Besuchergruppe ihres Partners der GGI-Spermex GmbH aus Großbritannien begrüßen. JMC Genetics reiste mit vier Vertretern aus England und Nordirland ins Münsterland, um sich intensiv über moderne Zuchtstrategien und praktische Erfahrungen aus den Milchviehbetrieben auszutauschen. JMC Genetics selbst hat bereits folgende Bullen der Phönix Group im Einsatz: ROCK PP, MEAN PP, DRESSMAN P, Return, Caspian PP, Migel, Sixx P und Camden RDC.

Den Auftakt bildete ein Informationsnachmittag in Münster. Im Mittelpunkt standen dabei das deutsche Zuchtwertsystem, die verschiedenen deutschen Zuchtwerte, ihre Datengrundlagen und praktische Anwendung im Betrieb. Dabei wurde deutlich, wie umfangreiche Datenerfassungen und eine hohe Schätzsicherheit die Aussagekraft der deutschen Zuchtwertschätzung prägen. Gleichzeitig bot der Nachmittag viel Raum für einen intensiven fachlichen Austausch über Gemeinsamkeiten, Unterschiede und aktuelle Entwicklungen in der Rinderzucht in Deutschland und Großbritannien.

Am folgenden Morgen führte die Exkursion zu zwei Milchviehbetrieben im nördlichen Münsterland, die eindrucksvoll zeigten, wie genomische Zuchtwerte heute in der Praxis eingesetzt werden.

Moderne Zuchtstrategie auf bewährtem Fundament

Erste Station war die Loelfer & Guhle GbR in Steinfurt-Hollich. Betriebsleiter Julian Loelfer-Guhle stellte anschaulich seinen Betrieb vor und teilte Erfahrungen mit KuhVision und der genomischen Selektion. Seit mehreren Jahren setzt der Betrieb konsequent auf den Gesamtzuchtwert RZ€ als zentrale Entscheidungsgrundlage für die Zuchtarbeit.

Der Betrieb hält rund 160 Kühe in einem Altgebäude und erzielt 13.400 kg mit 4,03 % Fett und 3,42 % Eiweiß bei gleichzeitig hohem durchschnittlichem Abgangsalter der Tiere. Die Zuchtgeschichte des Betriebs ist eng mit der Rotbuntzucht verbunden, die nach wie vor das Fundament der Herde bildet. Ergänzend dazu werden gezielt schwarzbunte RZ€-Vererber eingesetzt, um neue Blutlinien zu nutzen und das Niveau der Herde kontinuierlich anzuheben. Dabei liegt der Schwerpunkt weiterhin klar auf den besten verfügbaren Rotbuntbullen.

Für den Betriebsleiter steht die Wirtschaftlichkeit der Kuh im Mittelpunkt. Andere Einzelzuchtwerte spielen für ihn eine untergeordnete Rolle, da der RZ€ aus seiner Sicht bereits alle entscheidenden Merkmale umfasst. Lediglich bei der Anpaarung achtet er zusätzlich darauf, keine übermäßig große Nachzucht zu erzeugen. 

Die Herde wird konsequent nach RZ€ selektiert. Die besten Färsen werden mit gesextem Sperma besamt, während Kühe mit zu niedrigem RZ€ mit Fleischrassenbullen besamt oder als Trägertier für einen Embryo genutzt werden.

Der Besuchergruppe fallen auf den ersten Blick die funktionalen Fundamente und Euter sowie die Gleichmäßigkeit der Herde auf. Auf die Frage, wie stark diese Merkmale bei der Bullenauswahl berücksichtigt werden, antwortet Julian Loelfer-Guhle mit „gar nicht“ und verweist erneut auf den RZ€ und insbesondere auf die Nutzungsdauer. Seine Erfahrung: Kühe mit hohem RZ€ und hoher Nutzungsdauer überzeugen automatisch durch Funktionalität im Exterieur. Das Zuchtziel sei nicht das perfekte Schaueuter, sondern eine langlebige und wirtschaftliche Kuh. Das funktionelle Exterieur komme von ganz allein. Der Erfolg im Betrieb gibt seiner Strategie Recht.

Die Loelfer & Guhle GbR ist zudem aktiver Zuchtbetrieb. Ein besonderer Blickfang war ein gut entwickeltes und vielversprechendes Bullenkalb des Vererbers CREATE P aus einer CHAMPION-Tochter mit Wurzeln in einer kanadischen Kuhfamilie, aus der auch VINO P RDC stammt.

Wo Effizienz und Kuhkomfort zusammenfinden

Im Anschluss führte der Weg weiter nach Rheine zum Betrieb von Michael Krümberg. Schon beim ersten Rundgang wurde deutlich, dass hier großer Wert auf Effizienz, Tierwohl und Detailoptimierung gelegt wird. Vom Kälberstall bis zum modernen Milchviehstall ist der Betrieb konsequent auf Kuhkomfort und leistungsfähige Produktionsbedingungen ausgerichtet.

Besonders beeindruckend war der Stall für die rund 340 melkenden Kühe. Breite Laufgänge, Tiefliegeboxen, Gummibeläge, Ventilatoren sowie eine Wasservernebelung sorgen selbst an warmen Tagen für beste Bedingungen. Gemolken wird in einem Außenmelker-Karussell.

Für Michael Krümberg steht eine effiziente Milchproduktion im Mittelpunkt: hohe Leistungen, gute Inhaltsstoffe und möglichst problemlose Kühe. Um dieses Ziel zu erreichen, hat er seine Zuchtstrategie vor einigen Jahren grundlegend verändert. Statt vor allem auf töchtergeprüfte Exterieurbullen zu setzen, nutzt er heute konsequent genomische Vererber, typisiert seine Herde und orientiert sich bei der Selektion ebenfalls am RZ€.

Auch für ihn liefert dieser Gesamtzuchtwert alle entscheidenden Informationen für die Zucht einer wirtschaftlichen Kuh. Leistung, Gesundheit, Widerstandsfähigkeit und Nutzungsdauer seien bereits berücksichtigt. Lediglich die Inhaltsstoffe betrachtet er zusätzlich etwas genauer. Den Erfolg der Umstellung spürt er täglich in seinem Betrieb: Die Kühe geben deutlich mehr Milch, ohne dass man es ihnen ansieht. Genau darin sieht er den entscheidenden Fortschritt – gesunde Kühe mit hoher Produktivität.

Besonders begeistert zeigte sich der Betriebsleiter von der wirtschaftlichen Aussagekraft des RZ€. Als Produktionsbetrieb würde er sich nicht intensiv mit einzelnen Kuhfamilien beschäftigen. Durch die Genotypisierung und die konsequente Nutzung eines wirtschaftlich ausgerichteten Gesamtzuchtwerts habe er nun die Möglichkeit mit greifbaren Zahlen zu arbeiten.

Der hohe Optimierungsgrad in seinem Betrieb ist für Michael Krümberg kein Grund stehen zu bleiben. Er verfolgt weiterhin zahlreiche Entwicklungsziele – stets mit dem Fokus auf noch mehr Tierkomfort und eine effiziente, nachhaltige Milchproduktion.

Nach zwei Tagen traten die Gäste aus Großbritannien mit vielen neuen Eindrücken die Heimreise an. Der Besuch hat einmal mehr gezeigt, wie wertvoll der internationale Austausch sein kann. Trotz unterschiedlicher Rahmenbedingungen stehen Milchviehbetriebe in Deutschland und Großbritannien vor ähnlichen Herausforderungen und verfolgen oftmals dieselben Ziele. Gerade der offene Dialog über Erfahrungen, Strategien und neue Entwicklungen liefert wertvolle Impulse für die tägliche Arbeit.

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