Manchmal entstehen die besten Ideen nicht am Schreibtisch, sondern bei einem geselligen Tag auf dem RUW-Betriebsfest.
Als der junge RZ€-Vererber EUROVISION vor einigen Jahren seinen Weg zur RUW fand und zur Körung anstand, war nicht jeder sofort von ihm überzeugt. Während einige Mitglieder der Körkommission das Exterieur des Bullen und auch sein Vererbungsprofil kontrovers bewerteten argumentierte ein RUW-Kundenberater bereits damals anders. Für Fabian Rolf war klar: Wenn die ersten Töchter einmal in Milch sind, dann würden sie genau das liefern, was moderne Milchviehbetriebe brauchen.
Aus dieser Diskussion entwickelte sich eine Abmachung. Der Vorstand nagelte Fabian Rolf fest: Wenn die ersten Töchter in Milch sind, dann gibt es eine Nachzuchttour. Dann soll EUROVISION im Stall beweisen, dass seine Körung und sein Ankauf die richtige Entscheidung waren.
Am 19. Oktober 2026 war es dann so weit: Vier Betriebe, 13 Töchter und viele wertvolle Eindrücke später lässt sich festhalten: Die EUROVISION-Nachzuchttour war weit mehr als die Vorstellung eines einzelnen Bullen. Sie wurde zu einem Praxistest für die Zucht auf RZ€. Denn die entscheidende Frage lautete nicht, ob EUROVISION spektakuläre Nachzucht macht. Die Frage war vielmehr: Wie sehen die „RZ€-Kühe“ aus und wie performen sie in den Betrieben? Die Antwort darauf gaben die Töchter selbst.
Der erste RZ€-Vererber seiner Zeit
Als EUROVISION vor einigen Jahren auf den Markt kam, gehörte er zu den ersten Vererbern, die die Idee des Gesamtzuchtwertes RZ€ konsequent verkörperten. Er vereint Eigenschaften, die langfristig für hohe Lebensleistungen entscheidend sind:
- hohe Milchleistung mit positiven Inhaltsstoffen
- hohe Nutzungsdauer
- gute Gesundheitsmerkmale
- Mittelrahmigkeit
- funktionelles Exterieur
Mit einem RZ€ von 2.585 gehörte EUROVISION bei seinem Erscheinen 2022 zu den besten RZ€-Vererbern seiner Zeit. Besonders bemerkenswert war die Kombination aus rund +2.000 kg Milch und einem RZN von 129. Genau diese Kombination aus Leistung und Nutzungsdauer bildet die Grundlage für hohe Lebensleistungen und damit für wirtschaftliche Kühe. Gleichzeitig hatte er bei seinem Debüt einen RZE von 99. Hat ein Bulle damit eine Daseinsberechtigung? Der ein oder andere wird sagen: Absolut nicht! Die Nachzucht von EUROVISION liefert heute, vier Jahre später, eine Antwort auf diese Frage.
Hohe Leistungen ohne Extreme
Auf vier Betrieben konnte sich die Gruppe einen Eindruck von insgesamt 13 EUROVISION-Töchtern in Milch verschaffen. Besonders beeindruckend war die hohe Einsatzleistung der Erstlaktierenden, von denen einige noch sehr frisch in der Laktation standen.
Denn die Leistungen konnten sich sehen lassen. Die besichtigten Töchter lagen bei durchschnittlich 43 Litern Milch pro Tag. Einzelne Kühe erreichten sogar Tagesleistungen von bis zu 53 Litern. Gleichzeitig überzeugte ein Großteil der Tiere durch positive Inhaltsstoffe. Auch die Melkbarkeit bewegte sich mit einem Durchschnittswert um 100 im gewünschten Bereich.
Beim Exterieur könnte man die Nachzuchtgruppe treffend als „auffällig unauffällig“ beschreiben. Die Kühe präsentierten sich als mittelrahmige Tiere mit harmonischer Stärke. Die geringere Größe der Erstlaktierenden war dabei keineswegs ein Nachteil, sondern wurde von den Betriebsleitern ausdrücklich positiv hervorgehoben. Genau solche Kühe wünschten sie sich heute für ihre Laufställe. Auch bei Fundament und Bewegung hinterließen die EUROVISION-Töchter einen sehr positiven Eindruck. Sie zeigten korrekte Beine, gute Bewegungsqualität und wirkten durchweg funktionell.
Die Euter entsprachen ebenfalls den Erwartungen an einen RZ€-Vererber. Sie fielen weniger durch spektakuläre Einzelmerkmale auf, sondern überzeugten durch ihre Funktionalität und gute Melkbarkeit. Den Eutern war die hohe Milchleistung oftmals gar nicht anzusehen. Korrekte Strichstellungen und eine Tendenz zu etwas längeren Strichen rundeten das Bild ab.
Am Ende der Tour blieb daher ein sehr einheitlicher Eindruck zurück: EUROVISION vererbt Kühe, die nicht durch Extreme auffallen müssen, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Passend brachte es Theo Niestert auf den Punkt: "Die EUROVISIONS kennt man gar nicht. Diese unauffälligen Tiere sind die besten, denn Extreme brauche ich nicht im Stall." Hinter dieser Aussage steckt ein großes Kompliment. Denn unkomplizierte Laufstallkühe, die durch hohe Leistungen überzeugen, ohne zusätzliche Arbeit oder Probleme zu verursachen, sind letztendlich genau die Tiere, die sich viele moderne Milchviehbetriebe wünschen.
Zwar lässt sich über die tatsächliche Lebensleistung und Langlebigkeit der noch jungen Töchter heute noch keine abschließende Aussage treffen. Die bisherigen Eindrücke lassen jedoch kaum Zweifel daran, dass die EUROVISION-Töchter beste Voraussetzungen für eine lange Nutzungsdauer und hohe Lebensleistungen mitbringen. Die hohen Zuchtwerte für Nutzungsdauer und Gesundheit passen jedenfalls hervorragend zu dem Bild, das die Töchter auf den besuchten Betrieben hinterlassen haben.
Dass solche Vererbungsmuster in der Praxis funktionieren können, hat bereits ein Bulle mit ähnlichem Profil eindrucksvoll bewiesen: GIBOR. Sein Name steht bis heute für funktionelle, langlebige und dauerhaft wirtschaftliche Kühe. Nicht wenige Züchter haben sich rückblickend gewünscht, noch mehr GIBOR-Genetik eingesetzt zu haben, wenn wieder einmal eine 100.000-kg-Kuh aus seiner Nachzucht ausgezeichnet wurde.
Fazit zu EUROVISION
Die EUROVISION-Nachzuchttour diente weniger der Präsentation einer einzelnen Nachzucht, sondern vielmehr der Beantwortung der Frage, wie sieht die Tochter eines RZ€-Vererbers in der Praxis aus?
Für alle Beteiligten wurde deutlich, dass die Idee hinter den RZ€-Bullen in der Praxis funktioniert. EUROVISION gehörte zu den Vererbern, die konsequent auf Wirtschaftlichkeit, Leistung und Funktionalität gesetzt haben. Seine Töchter in Milch zeigen heute genau das, was sich viele Betriebe vom Einsatz solcher Bullen versprochen haben: leistungsstarke, funktionelle und unkomplizierte Kühe, die problemlos in moderne Milchviehbetrieben melken und Tag für Tag ihre Arbeit erledigen. Genau darin liegt letztlich die Stärke des RZ€. Im Mittelpunkt steht die Kuh, die über viele Jahre zuverlässig Milch produziert und damit Geld verdient.
Passenderweise wurde auch das Fazit der Tour nicht im Sitzungssaal gezogen, sondern bei einem Pils in geselliger Runde: EUROVISION hat die damalige Bewährungsprobe mit seinen ersten Töchtern in Milch bestanden.




