Jungzüchterfahrt 2020

Jungzüchter

Mit Vorfreude auf das, was auf uns zukommen wird, haben wir die Koffer gepackt und sind pünktlich am 12. März 2020 um 15 Uhr am Köln/Bonn-Flughafen eingetroffen. 31 Jungzüchter stiegen nun in den Flieger ein, um gemeinsam katalonische Landwirtschaft hautnah erleben zu können.

Für die zwei folgenden Tage standen die besten Zuchtbetriebe, Essen in katalanischen Restaurants und Kultur in und um Barcelona auf dem Programm.

Miquel Carole von der GGI-Spermex in Spanien empfing uns mit seiner herzlichen spanischen Art in der Ankunftshalle in Barcelona. Für die kommenden Tage nahm er sich für uns die Zeit, um uns sein Land, speziell Katalonien, zu zeigen.  

Draußen war es schon dunkel, aber im Verhältnis zu Deutschland waren die Temperaturen sehr angenehm und stimmten uns langsam auf eine schöne Zeit in Spanien ein. Wir schnappten unsere Koffer und gingen in Richtung Bus, der uns in unser Hotel bringen sollte. Nach einem kurzen Ansturm an der Rezeption und Verteilung aller Schlüsselkarten, trafen wir uns kurz danach zu einem gemeinsamen Abendessen im angeschlossen Restaurant des Hotels und ließen den ersten Tag gemütlich ausklingen.

 

Betriebe, die nicht unterschiedlicher sein können

Mit Kaffeeduft in der Nase und einer großen Auswahl an Leckereien, empfing uns das tägliche Frühstücksbuffet. Mit vollen Bäuchen startete dann unsere Tour mit dem Bus um 9:00 Uhr vor dem Hotel. Positiv der Dinge, die da kommen werden, folgten wir dem Dienstwagen von Miquel, der uns den Weg zeigte.

In Gerona, in der kleinsten Provinz Kataloniens direkt neben Barcelona, wirkt alles noch sehr verschlafen. Unser erster Betrieb lag versteckt hinter einem Wäldchen an Hang einer kleinen Talsenke. Seniorchef Josep Barners erwartete uns auf seinem Betrieb Can Gimferrer Nou SL, den er zusammen mit seinem Sohn Pau Barners führt. Joseph Barnes arbeitete früher neben seiner Tätigkeit auf dem eigenen Betrieb auch auf dem Nachbarbetrieb als Herdenmanager. Auch sein Sohn betreibt den Betrieb als 2. Standbein und übt einen weiteren Beruf aus.

Dieser Betrieb ist sehr speziell in der Art und Umsetzung bzgl. der Milchviehhaltung. Die Meinungen gehen hierbei weit auseinander, aber eines ist sicher, das leidenschaftliche Züchterherz kommt hier ziemlich aus dem Takt.

In Spanien gibt es eine Rankingliste für Milchviehbetriebe. In diesem Ranking liegt das Augenmerk auf den genomischen Zahlen, wobei dieser Betrieb unter ferner liefe auf ca. Platz 300 liegt. Aber! — er hat einer der höchsten Herdenleistungen von Ø 40 Liter. Gemolken werden aktuell 71 Kühe, wobei die Herde sehr jung aufgestellt ist, da kurzerhand alte und Tiere mit Defizit gegen die eigene Nachzucht ausgetauscht werden. „Das ist kostendeckender, als die Nachzucht zu verkaufen“, so Joseph Barners. Eine Besonderheit an diesem Betrieb ist auch, dass er ausschließlich Testbullen, die nicht mehr als 2,50 € kosten, einsetzt.

Das AMS A5 von Lely glänzt wie neu. Diese Anlage ist seit 2018 im Einsatz und hat noch ein bisschen mehr Leistung aus der Herde herausgekitzelt. Ansonsten positioniert sich der Betrieb neben der neuen Photovoltaikanlage auf dem Dach technisch sehr schmal. Landwirtschaftliche Geräte und moderne Traktoren sucht man vergebens — wozu auch, schließlich schließen sich diesem Betrieb nur 7,5 ha Fläche an, wo ausschließlich Grasmischungen und Mais angebaut werden. Futter und Stroh wird größtenteils zugekauft, Ackerbestellung läuft über die Nachbarbetriebe und die Gülle wird ebenfalls fremdausgebracht. Das Hauptaugenmerk liegt ausschließlich bei der Arbeitsoptimierung und der Milchleistung der Herde.

Nach dem obligatorischen Gruppenfoto ging es weiter zum Mittagessen. Unser Busfahrer brachte uns zum nahegelegenen Restaurant, welches uns mit herrlichen katalanischen Speisen erwartete.

Nach der Stärkung ging es weiter zum nächsten Betrieb. Er ist das Gegenteil zum ersten. Dieser rangiert nämlich in der besagten Rankingliste auf Platz 1. Die Spannung ist groß.
 

Die Zufahrt auf den Betrieb erwies sich für unseren Busfahrer als eine ziemliche Herausforderung, aber mit Geduld und Geschick kommt ein Bus irgendwie immer wieder durch die engsten Kurven. Miquel, der vorausgefahren war, und Marc Xifre, der zusammen mit seinem Bruder Quim den Betrieb Mas Gener SC bewirtschaftet, empfingen uns vor dem großen Stall. Marc ist vor allem für den Milchviehbereich zuständig. Insgesamt werden 210 Kühe von fünf neuen  A5 Lely-Robotern gemolken. Auch er melkt mit dieser neuen Technik mehr Milch, als mit dem älteren AMS. Bis auf Kraftfutter und Stroh wird alles auf 100 ha selber angebaut. Die Herde bestach durch ihre Größe - nicht pro Kopf - sondern die Kühe an sich. Die Tiere zeigten unfassbar viel Körpertiefe und Stärke. Zum Einsatz kommen größten Teils amerikanische Bullen mit einem hohen GPI, wobei das Hauptaugenmerk  auf Milchleistung, Stärke, Körpertiefe und Funktionalität liegt. Mittlerweile muss er allerdings darauf achten, dass die Tiere nicht zu groß werden.

Unsere Jungzüchter löcherten ihn mit vielen Fragen rund um die Zucht und Haltung und mit Hingabe beantwortete er diese.

Zufrieden stiegen wir wieder in den Bus ein und fuhren zurück zum Hotel. Der Abend stand für jeden zur freien Verfügung, wobei manche im Hotel gegessen haben und andere nach Barcelona reingefahren sind, um dort ein Restaurant aufzusuchen.

 

Wir spüren die ersten Einschränkungen

Leider rückte die Sorge um das Corona-Virus in Spanien immer näher und die Vorkehrungen wurden verschärft, was nun auch unsere Reise zum Teil beeinträchtigte. Am Samstag sollte eine Rundfahrt in das Vulkangebiet Olot stattfinden, die aber leider abgesagt werden musste.

Doch unsere Jungzüchter wären keine Jungzüchter, wenn sie nicht das Beste aus ihrer Situation machen würden. Sie entschieden sich somit für einen gemütlichen Tag im hoteleigenen Restaurant, erklommen den fantastischen Aussichtpunkt unweit von unserem Hotel, um einen fantastischen Ausblick auf Barcelona zu erhaschen oder sie erkundeten Barcelona mit ihrer berühmten La Rambla und dem direkt an der Stadt liegenden Strand.

 

Zurück nach Hause

Der Abreistag war angebrochen. Aus Sicherheitsgründen fuhren wir einige Stunden eher zum Flughafen, um möglichen Flugänderungen aufgrund der Coronathematik zuvorzukommen. Doch letztendlich lief mit unserem gebuchten Flug alles nach Plan und wir kamen gut wieder Zuhause an.

Trotz ein paar Abstrichen in der Planung, können wir dennoch auf eine tolle Fahrt zurückblicken. Unsere wild zusammengewürfelte Gruppe rückte an den Tagen wunderbar zusammen und es war ein fantastisches Miteinander mit viel positiver Stimmung. Es hat uns viel Freude mit euch allen gemacht und wir freuen uns auf die kommende Reise im nächsten Jahr. Seid schon jetzt gespannt, wo es hingehen wird. Ein herzliches Dankeschön geht noch an unseren Reiseleiter Miquel. Er entpuppte sich als ein großherziger und unglaublich engagierter Gastgeber.

 

Hier  geht es zum Fotolink von Heinrich Schulte - Danke für die tollen Bilder!

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