Am Sonntag, den 8. März 2026, wurde das Regionalzentrum Rheinland-Pfalz/Saarland der Rinder-Union West eG in Fließem zum Treffpunkt zahlreicher Züchterinnen und Züchter aus der Region. Die erstmals ausgeschriebene Verbandsschau ausschließlich für Kühe von Vererbern aus dem Katalogangebot deutscher Besamungsorganisationen erwies sich auf Anhieb als voller Erfolg.
Bereits am frühen Morgen strömten bei frühlingshaftem Wetter zahlreiche Besucher in die Halle, deren Plätze sich schnell füllten. Was im Vorfeld teilweise noch als Wagnis diskutiert worden war, entwickelte sich zu einem überzeugenden Schaukonzept, das Züchter und Publikum gleichermaßen begeisterte. Die bewusst einfache Vorbereitung der Schaukühe – ohne professionelle Topline – senkte die Einstiegshürde deutlich. Dadurch nahmen auch Züchter teil, die bislang keine Schauerfahrung hatten und sich dennoch hervorragend in das Geschehen integrieren konnten.
Die Atmosphäre während des gesamten Tages war ausgesprochen positiv: Fachliche Gespräche im Stall, gespannte Erwartung bei den Zuschauern und eine beeindruckende Qualität der präsentierten Tiere prägten den Verlauf der Veranstaltung.
Als renommierter und erfahrener Preisrichter fungierte Guido Simon aus Sundern. Mit großer Fachkenntnis, ruhiger Hand und klaren Erläuterungen führte er durch das Richtgeschehen. Besonders hervorzuheben war, dass er seine Entscheidungen konsequent an den Anforderungen moderner, ausbalancierter Laufstallkühe ausrichtete – mit besonderem Augenmerk auf Fundament, Euterqualität und funktionale Körpermerkmale. Seine nachvollziehbaren Kommentare fanden bei Züchtern und Publikum großen Anklang.
Für eine erfrischende Abwechslung zum Richtgeschehen der Schaukühe sorgten vier Bambino- und Jungzüchterklassen. Die erfahrene Jungzüchterin Melissa Bange aus Gießen übernahm hier das Amt der Preisrichterin. Mit einfühlsamen Fragen an die jüngsten Teilnehmer schuf sie viele schöne und heitere Momente und trug so zur besonderen Atmosphäre der Veranstaltung bei.
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Abgerundet wurde die Schau durch eine ansprechende Ausstellung landwirtschaftlicher Unternehmen im Außenbereich. Dort präsentierten Firmen aus den Bereichen Landtechnik, Melktechnik und Fütterung ihre Produkte und standen den Besuchern für fachliche Gespräche zur Verfügung.
Starke Konkurrenz bei Färsenklassen
Bereits in den Färsenklassen der schwarzbunten Holsteins zeigte sich das hohe Niveau der Schau. In der ersten Klasse überzeugte ZS Gracekelly (v. Fangio) von Stefan & Matthias Zenz GbR aus Musweiler. Die mittelrahmige Kuh beeindruckte mit einem sehr korrekten Körperbau, einem stabilen Fundament sowie einem funktionellen und festansitzendem Euter und sicherte sich souverän den Klassensieg. Dahinter platzierte der Preisrichter die etwas rahmigere MOVE PP-Tochter Dana von Elmar Mettel aus Mettendorf auf dem 1b-Rang.
In der zweiten Färsenklasse setzte sich HHH Nina, eine Mask Red-Tochter vom Betrieb Axel Hemmes, Damflos, durch. Sie präsentierte sich als besonders harmonische Laufstallkuh mit einem hervorragenden, robotergeeigneten Euter. Auf den zweiten Platz folgte die HUSAR P-Tochter CH Clara Husar P der Hoffmann eGbR, eine körperstarke Kuh mit ausgezeichnetem Fundament, die schon die Nachzuchtkollektion bei der RUWschau in Hamm bereicherte.
Die dritte Klasse gewann die COSINUS-Tochter Emina von der Sonntag GbR aus Pomster, eine korrekte und sehr ausgeglichene Jungkuh. Dahinter folgte GIN RUW Chelsia, eine ARIZONA-Tochter von Kurt Gillesen aus Neustadt, die als stilvolle, junge Kuh mit einem sehr lebhaften Euter überzeugte.
Bei der sich anschließenden Siegerauswahl der Holstein-Färsen setzte sich schließlich ZS Gracekelly durch. Sie siegte vor der Reservesiegerfärse Emina.
Bei den rotbunten Jungkühen präsentierte sich ein kleiner, aber qualitativ überzeugender Wettbewerb mit nur einer Klasse, sodass die 1a- und 1b-Kühe gleichzeitig auch die Siegerfärsen dieser Kategorie waren. Es siegte die schicke, korrekte und mit einem sehr festen und breiten Euter ausgestattete MOMENT PP-Tochter Belana von der Bormann GbR aus Biesendorf vor BHI Oldred, eine SHOUT-Tochter vom Zuchtbetrieb Büllesbach Holsteins, Buchholz, die durch ihr harmonisches Seitenbild und ihrem glasklaren Fundament überzeugen konnte.
Mittlere Kuhklassen: Funktionalität und Stärke im Fokus
In den mittleren schwarzbunten Klassen zeigte sich besonders deutlich die von Preisrichter bevorzugte Kombination aus Körperstärke und -balance, Fundament und Euterqualität.
Die erste Klasse gewann die SAILOR PP-Tochter Maxima von der Lamberty-Borsch GbR aus Pantenburg, eine kräftige, breite Kuh mit sehr drüsigem Euter. Auf Rang 1b folgte die stilvolle und harmonische HZW England (v. SCORER) von Peter Winter, Wuppertal.
Die zweite Klasse entschied die COSINUS-Tochter PM Lola von der Meuteshof eGbR in Rommersheim für sich – eine nahezu fehlerlose Kuh mit einem fantastischen Euter. Dahinter platzierte sich Eva, eine kraftvolle KENSINGTON-Tochter mit sehr korrektem Körperbau aus der Zucht von Willi Achten aus Kempen.
Auch der Sieg in der dritten Klasse ging an den Meuteshof: Erneut siegte eine COSINUS-Tochter. PM Christiane überzeugte mit ihrer Körperstärke, ihrem beeindruckenden Seitenbild und ihrem exzellenten Hintereuter. Zweite wurde die korrekte und fundamentstarke GIN Cobra von Kurt Gillesen, der auch Züchter von Cobras Vater FRISBEE RDC ist.
In der vierten Klasse fiel die Entscheidung zugunsten von Molin, eine STUNTMAN-Tochter aus der Zucht von Thomas Schneider, Koblenz. Die mittelrahmige Kuh beeindruckte mit hervorragendem Fundament und einem besonders festen und drüsigen Euter. Dahinter folgte die rahmige und auffällige, tiefdunkle HaH Honeybee (v. Gladius) der Lüpschen GbR aus Lohmar.
Im Finale setzte sich schließlich Molin als Siegerin der mittleren schwarzbunten Kuhklassen durch. HaH Honeybee folgte ihr als Reservesiegerin.
Bei den rotbunten mittleren Kühen dominierte in der ersten Klasse die SAILOR PP -Tochter Valerie von Hugo Berners, Simmerath, eine große und körperbetonte Kuh mit sehr guter Bewegung. Dahinter folgte eine weitere SAILOR PP-Tochter, die SfH Dakota der Seidenfaden GbR aus Mechernich. Diese euterstarke, elegante und feinzellige Kuh bewegte sich auf einem ausgezeichneten Fundament.
In der zweiten Klasse überzeugte die harmonische und korrekte SPUTNIK-Tochter SIH Elisa von Marco Weires aus Olmscheid mit viel Körperbalance und starker Euterqualität. Zweite wurde WaH Adler eine milchtypische, typvolle und fundamentstarke Gywer RDC-Tochter von der Wahlerhof-Holstein GbR aus Zweibrücken.
Den Titel der Siegerkuh Rotbunt mittel sicherte sich schließlich SIH Elisa, während Valerie zur Reservesiegerin gekürt wurde.
Hohe Vitalität und Qualität bei den älteren Kühen
Besonders viel Applaus erhielt die erste Klasse der älteren schwarzbunten Kühe. Hier setzte sich die beeindruckende ZFZ Give Me Lu (v. Solito Red) von Matthias Zielenbach aus Wenden durch – eine Kuh, die Preisrichter Simon in allen Belangen schlicht als „überragend“ bezeichnete. Dahinter platzierte sich Big Point-Tochter HHH Rosine von Axel Hemmes, eine sehr korrekte Kuh mit hervorragendem Fundament.
In der zweiten Klasse gewann BaS Flaka (v. Godewind) von Christian Bange aus Seibersbach, eine kraftvolle und rahmige Kuh in der 5. Laktation mit ausgezeichnetem Fundament. Zweite wurde die euterstarke Louis PP-Tochter Belana von Norbert Zehren aus Kirf, die älteste schwarzbunte Kuh der Schau.
Bei der Siegerauswahl setzte sich schließlich ZFZ Give Me Lu souverän durch und wurde zur Siegerkuh der älteren Schwarzbunten gekürt. HHH Rosine erhielt den Titel der Reservesiegerin.
Auch die älteren Red Holstein-Kühe beeindruckten den Preisrichter und das Publikum gleichermaßen. Die erste Klasse gewann die JULANDY-Tochter KLH Irmelai von der Krause Lederbach GbR aus Hohenleimbach – eine außergewöhnlich harmonische und tiefe Kuh mit fester Oberlinie und bester Bewegung in der 6. Laktation. Dahinter folgte ZS Flamenca von Stefan & Matthias Zenz, eine sehr edle STORMY RED-Tochter mit besonders festem Euter.
In der zweiten Klasse der alten Schaudiven überzeugte die bekannte und schauerfahrene EFFORT-Tochter WIT Kanutin von Thomas Wiethege aus Halver. Diese beeindruckende Kuh überzeugte mit hervorragender Körperqualität, starkem Fundament und einem immer nach wie vor bestens aufgehängten Euter – und das bereits in der 8. Laktation mit einer Lebensleistung von über 100.000 kg Milch. Zweite wurde MAX Bianca, ebenfalls eine EFFORT-Tochter von Stefan Marxen aus Dingdorf. Diese kapitle und enorm vitale Kuh befand sich in der 9. Laktation und war die älteste Kuh der Schau. Auch sie hat die Lebensleistungsgrenzen von 100.000 kg Milch bereits überschritten. Beide Kühe wurden mit ihren Züchtern im Rahmen der Veranstaltung für ihre herausragende Lebensleistung besonders geehrt.
Der Titel Siegerkuh Rotbunt alt sicherte sich schließlich KLH Irmelai, während WIT Kanutin zur Reservesiegerin gekürt wurde.
Souveräner Grand Champion
Den Höhepunkt der Schau markiert die Auswahl des Grand Champion. Dazu wurden alle sechs Siegerkühe in den Ring geführt. Um auch den Färsen die Möglichkeit zu geben, daran teilzunehmen, wurden alle Kühe im ausgemolkenen Zustand dem Preisrichter und dem Publikum präsentiert. Der Preisrichter betonte, dass alle vorgestellten Siegerkühe nun zeigten, welch hervorragende Eutertextur sie haben.
Guido Simon unterstrich die hohe Qualität dieser Kühe. Sie begeisterten ihn durch ihre Körperbalance, ihre Kombination aus genügend Stärke und passendem Milchtyp, durch ihre tadellose Bewegung und vor allem durch ihre erstklassigen Euter.
Gesamtsiegerin und damit Grand Champion der Schau wurde unumstritten die Solito-Tochter ZFZ Give Me Lu von Matthias Zielenbach, der sichtlich gerührt den großen Siegerpokal und die Champion-Schärpe entgegennahm.
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Beeindruckende GIN COSINUS-Kollektion
Bereichert wurde die Schau durch eine sehenswerte Nachzuchtgruppe des Bullen GIN COSINUS, die aus dem Schaukontingent zusammengestellt wurde und für besondere Aufmerksamkeit sorgte. Mehrere seiner Töchter hatten bereits in den Einzelklassen mit Top-Platzierungen überzeugt und unterstrichen eindrucksvoll seine züchterische Bedeutung bei den nachkommengeprüften Vererbern. Als Züchter des Bullen GIN COSINUS wurde Kurt Gillessen aus Neustadt für diesen Erfolg geehrt.
Fazit
Die erste Verbandsschau mit deutscher Genetik war ein voller Erfolg. Die hohe Tierqualität, der gelungene Ablauf, die besondere Atmosphäre, der fachlich versierter Preisrichter und die begeisterte Zuschauerkulisse machten die Veranstaltung zu einem echten Höhepunkt im Zuchtkalender der Region.
In seinem Schlusswort würdigte Preisrichter Guido Simon das neue Schaukonzept und hob dessen Bedeutung für die genossenschaftliche Zuchtarbeit hervor. Er betonte, wie wichtig starke genossenschaftliche Strukturen für die Züchter seien, da sie den Mitgliedsbetrieben die Möglichkeit geben, die Entwicklung ihrer Organisation aktiv mitzugestalten.
Gerade ein solches Schauformat, bei dem ausschließlich Kühe von deutschen Bullen präsentiert werden, stärke die eigene Genossenschaft, fördere den Zusammenhalt der Mitgliedsbetriebe und trage dazu bei, die Organisation zukunftsfähig und wettbewerbsstark aufzustellen.
Viele Besucher waren sich am Ende einig: Diese Schau hat gezeigt, welches Potenzial in der deutschen Holsteinzucht steckt – und dass funktionale, langlebige und leistungsstarke Kühe genau den Nerv der modernen Milchviehhaltung treffen.


