RUW Report 99

25 RUW Report — 05/2020 ZUCHT Die Leistungsdifferenz zwischen diesen beiden Gruppen liegt also bei fast 25.000 kg. Bei einem Milchpreis von 34 ct/kg sind das 8.453 € Mehrerlös. Sind die Hochleistenden anfälliger? Ein Frage, die viele Züchter wohl seit Jahrzehnten be- schäftigt. Auch hier kann die Herdentypisierung wertvolle und vor allem objektive Antworten liefern. Denn hier ha- ben die KuhVisions-Betriebe echte Pionierarbeit geleistet. Durch die konsequente Dokumentation der Gesundheits- daten dieser Herden werden seit April 2019 Gesundheits- zuchtwerte geschätzt. Die wichtigsten Parameter werden im Gesundheitsindex RZ-Gesund zusammengefasst. In Abb. 2 werden die jeweils besten und schwächsten Färsen nach diesemMerkmal aufgeführt. Hier fällt zunächst die relativ geringe Streubreite auf. So liegen zwischen der besten (113) und der schwächsten Färse (94) gerade ein- mal 19 Zuchtwertpunkte. Dieses Phänomen ist bei neuen Zuchtwerten normal. Trotz der geringen Streubreite sind die Effekte schon jetzt beeindruckend. Die Mittelwerte der beiden Grup- pen liegen bei 96,3 bzw. bei 109,0 RZ-Gesund. Bei den anfälligeren Tieren wurden im Mittel 3,4 Diagnosen do- kumentiert. Die genetisch gesündere Gruppe war mit durchschnittlich 1,2 Diagnosen auch tatsächlich deut- lich weniger anfällig. Berücksichtigt wurden alle bishe- rigen Diagnosen von der Geburt bis zum Abschluss der 1. Laktation vom Kälberdurchfall, über Mortellaro beim Jungrind bis hin zur Mastitis in der Spätlaktation. Leis- tungsunterschiede konnten zwischen den beiden Ver- gleichsgruppen mit knapp 277 kg Milch in der 1. Lak - tation kaum festgestellt werden. Höchste Leistungen und beste Gesundheit schließen sich nicht aus. Durch die Herdentypisierung lassen sich beide Eigenschaften hervorragend kombinieren. Hohe Trachten = gesunde Klauen? Dermatitis Digitalis (DD), bekannt unter Mortellaro, wird bei der Zuchtwertschätzung besonders betrachtet und mit einem eigenen Zuchtwert bedacht. Und das macht doppelt Sinn. Zum einen handelt es sich hier um eine flächendeckende Problemkrankheit, zum anderen besitzt Mortellaro eine relative hohe Erblichkeit, die höchste aller Gesundheitsmerkmale. Betrachtet man hier die Färsen des Beispielbetriebes, so fallen hier große Streubreiten auf. Zwischen den beiden Gruppen liegen imMittel beacht- liche 21 Punkte. Zwischen der besten und schwächsten Färse sind es sogar 38 Punkte. Während bei der besten Gruppe fast von einer „Mortellaro-Resistenz“ gesprochen werden kann (0,3 Diagnosen), sind bei der anfälligen Gruppe im Mittel 3 Diagnosen festgestellt worden. Sehr interessant ist der Zusammenhang mit dem Exterieur- Merkmal Klauenwinkel (früher Trachtenhöhe). So weisen die anfälligen Färsen imMittel deutlich hö- here Zuchtwerte für Klauenwinkel auf (110) als die ge- sunden Tiere (104). So muss man sich die Frage stellen: Welcher Zuchtwert ist wichtiger – der für das Fundament/ Abb. 1: Vergleich Genotyp - Phänotyp Milchleistung Geburtsjahrgang 2019 untere 10 beste 10 Kuh Nr. gZW M-kg 1. La. 305 Kuh Nr. gZW M-kg 1. La. 305 165 -636 9141 43 1905 14368 65 -348 8735 138 1464 10690 79 -134 9738 172 1449 11760 7 26 9891 11 1401 10312 13 67 9042 105 1379 12139 22 67 10446 30 1360 10640 28 98 9282 157 1230 11481 87 151 8085 68 1190 10730 162 154 6872 164 1175 10337 97 195 8662 125 1148 12299 Mittel -36 8989 Mittel 1370,1 11476 Summe Milch kg besten 10 Färsen 114756 Summe Milch kg untere 10 Färsen 89894 Differenz 24862 0,34 € 8.453,08 € Abb. 2: Vergleich Genotyp - Phänotyp Gesundheit Geburtsjahrgang 2016           untere 10                  beste 10 Anzahl Anzahl Kuh Nr. gZW Gesund Diagnosen 1. La. 305 Kuh Nr. gZW Gesund Diagnosen 1. La. 305 166 94 4 10218 11 113 5 10312 165 94 1 9141 138 110 3 10690 173 95 3 11789 7 110 0 9891 68 96 0 10730 126 109 0 10679 164 96 3 10337 169 109 1 10672 108 97 2 11344 13 109 1 9042 52 97 4 9827 79 109 1 9738 157 98 6 11481 22 108 1 10446 125 98 7 12299 28 107 0 9228 163 98 4 10678 43 106 0 14368 Mittel 96,3 3,4 10784 Mittel 109,0 1,2 10507 + Die alte Weisheit „je höher die Trachte, desto gesünder die Klaue“ muss angezweifelt werden. Abb. 3: Vergleich Genotyp - Phänotyp Mortellaro Geburtsjahrgang 2016           untere 10                  beste 10 Mortellaro- ZW Klauen Mortellaro- ZW Klauen Kuh Nr. gZW DDc Diagnosen (Trachtenhöhe) Kuh Nr. gZW DcD Diagnosen (Trachtenhöhe) 163 85 3 102 122 123 0 95 164 88 2 113 22 121 0 99 165 89 0 109 43 116 0 92 166 92 3 114 138 114 2 108 108 92 0 106 66 110 0 100 113 92 4 111 21 110 0 123 68 92 2 107 169 109 0 109 55 93 3 107 105 107 0 117 121 95 2 113 157 106 1 96 162 95 3 116 7 106 0 100 Mittel 91,3 3,0 109,80 Mittel 112,2 0,3 103,90

RkJQdWJsaXNoZXIy MjMxMzg=