RUW Report 93

Jungzüchter RUW REPORT Nr. 93 5/2018 | 61 vor allem die Auswahl der Besamungsbullen entscheidend, um genetisch eine Verbesse- rung erreichen zu können. Zudem erklärte Mirco, dass ca. 50% der Besamungsbullen von deutschen Organisationen stammen. Interessant war, wie das Sperma vor der Be- samung behandelt wird. Die Pipetten wer- den für 7 Minuten auf 37°C erwärmt. Die Besamung findet rund 20 Stunden nach der Hauptbrunst statt, wodurch bereits 10% höhere Trächtigkeitsraten erreicht sowie mehr weibliche Kälber geboren wurden. Bei den Gebäuden wird hauptsächlich auf eine gute Deckenhöhe, viel Frischluft und Platz geachtet. Aktuell wird ein Liegeboxen-Stall für Trockensteher errichtet. Gemolken wird in einem 2x12 Side-by-Side Melkstand. Hierzu sind Melker aus Indien angestellt. SIEBEN FAMILIEN – EIN BETRIEB Nach dem Betriebsrundgang fuhren wir zu der nächsten Farm. Bei der „Serenissima Dairy coop.“ gibt es sieben Betriebsleiter. Ursprünglich haben sieben Familien jeweils einen eigenen Betrieb mit 10-20 Kühen bewirtschaftet. Vor einigen Jahrzehnten schlossen sich die Betriebsleiter zu einer Ko- operation zusammen. Aktuell werden 580 Kühe (11.000kg Milch/ 4,3% Fett/ 3,6% Ei- weiß/ 150.000 Zellen) gemolken. Bei einer Remontierungsrate von 25% werden regel- mäßig Färsen verkauft. Der Verkaufspreis orientiert sich hauptsächlich am deutschen Markt. Neben der Milchviehhaltung, 1000 Der Spaß darf bei dem straffen Programm natürlich nicht auf der Strecke bleiben! Mastplätzen für weibliche Fleischrassen sowie 500 Schweinemastplätzen gibt es an der Hofstelle eine eigene Schlachterei, auf der zu 100% Schlachttiere des eige- nen Betriebes geschlachtet werden. Das Fleisch wird ebenso wie Käse und andere Kleinartikel im eigenen Hofladen verkauft. Mit vielen Eindrücken fuhren wir anschlie- ßend in unser Hotel und ließen den Abend gemütlich ausklingen. SPITZENBETRIEB MIT VIER MELKROBOTERN Am nächsten Morgen machten wir uns rechtzeitig auf den Weg zum letzten land- wirtschaftlichen Betrieb unserer Reise. Die „Zanoli F.lli Farm“ in Motella Borgo gehört zu den Top-Betrieben Italiens. Der zurzeit 95-jährige Großvater des Hofes gründete den Betrieb nach dem zweiten Weltkrieg. Von seinen sieben Kindern führen vier seiner Söhne den Betrieb gemeinsam weiter. Die rund 260 Kühe werden seit zwei Jahren von vier Lely- Melkrobotern gemolken. Der ak- tuelle Tagesdurchschnitt liegt bei 37 Litern. Im neuen Boxenlaufstall wurde vor allem auf Tierkomfort, viel Licht und Luft geach- tet. Seitdem konnten Tiergesundheit und Fruchtbarkeit deutlich verbessert werden. Auf 110 Hektar Ackerfläche für den Fut- terbau wird ca. 70% des eigenen Futter- bedarfs angebaut. Da es im Umkreis viele andere Landwirte gibt, ist die Ackerfläche sehr knapp. Um die vorhandene Fläche voll ausnutzen zu können, werden sehr enge Fruchtfolgen mit Ackergras als Vorfrucht und einer weiteren Hauptfrucht gefahren. Nach der Führung über diesen Betrieb nutzten wir die Zeit bis zur Besichtigung des Weinguts am späten Nachmittag, um bis ans Ufer des Iseo-Sees zu fahren und mit einer kleinen Fähre überzusetzen. Im Sommer ist dies sicherlich eine traumhafte Kulisse, im Spätwinter bei Regen hingegen eine etwas trübe Angelegenheit. In einer Kneipe mit Café ließ es sich dann aber doch ganz gut aushalten. BIOLOGISCHES WEINGUT UND STADTRUNDFAHRT IN VERONA Anschließend machten wir uns pünkt- lich auf den Weg zum Weingut „Barone Pizzini“ in Provaglio di Iseo. Dort wurden wir bereits von unserer deutschsprachi- gen Gruppenleiterin Mariarosa erwartet. Sie führte uns durch die traditionelle Ge- schichte der Familie Pizzini, über eines der 26 biologischen Felder mit Weinreben so- wie in die Lagerräume der Kellerei. Bei ei- ner Anbaufläche von 50 Hektar sowie 10 Festangestellten und zusätzlichen Saison­ arbeitskräften ist das Barone Pizzini eines der größeren Weingüter in der Gegend. Mariarosa erklärte uns den gesamten Pro- zess der Weinproduktion von der Weinlese über die Verarbeitung bis hin zur Vermi- schung der Rebsorten und der Lagerung. Im Anschluss daran gab es eine kleine Ver- kostung von zwei verschiedenen Schaum- weinen. Am Abend ging es mit vielen neu- en Eindrücken zurück zum Hotel. Am dritten Tag unserer Reise hatte der Wet- tergott endgültig keine Gnade mehr und bescherte uns eine verregnete Stadtführung durch Verona, vorbei am Balkon der Julia und durch die architektonische und histori- sche Geschichte der Stadt. Die letzten frei- en Stunden nutzen alle Jungzüchter noch für einen eigenen Rundgang durch Veronas Innenstadt. Mit typisch italienischem Essen verabschiedeten wir uns aus Italien und flo- gen am Abend zurück nach Deutschland. In den drei programmreichen Tagen konnten wir einen guten Eindruck von der Landwirt- schaft und der Kultur Italiens bekommen. Auch innerhalb der bunt gemischten Gruppe wurden viele neue Kontakte geknüpft, die sicherlich auch über die Fahrt hinaus noch bestehen bleiben werden. Viele freuen sich schon jetzt auf die Jungzüchterfahrt 2019! Bettina Hueske Unsere Jungzüchter verstehen sich auf An- hieb mit jeder Kuh. Mehr Fotos findet Ihr in dem Bericht auf der RUW-Internetseite unter der Rubrik Jungzüchter. Für ein wenig Glück in der Liebe befolgt man den Brauch, die Brust der Bronzestatue Giuliette zu berühren, natürlich gerne. Trotz des verregneten Wetters wird der Tag für eine ausgiebige Stadtführung genutzt.

RkJQdWJsaXNoZXIy MjMxMzg=