Bullen 08/2026

phoenix-genetics.de | ZWS 08.2026 5 Gesundheit – Das Bindeglied zwischen Genetik und Nachhaltigkeit Euterentzündungen bedeuten nicht nur Schmerzen und weniger Leistung beim Tier, sondern sorgt auch für nerviges „Kannenmelken“ und Mehrarbeit für Behandlung und Selektion beim Herdenmanager. Von den hohen wirtschaftlichen Einbußen einer Mastitis ganz zu schweigen! Ein besonderer Fortschritt der vergangenen Jahre ist die Entwicklung genomischer Gesundheitszuchtwerte. Sie basieren auf den umfangreichen Gesundheitsdaten, die im Rahmen des Projektes KuhVision erfasst wurden und werden. Die große Lernstichprobe typisierter Kühe ermöglichen heute zuverlässige Aussagen zu Mastitis, Stoffwechselstabilität, Klauengesundheit oder anderen Gesundheitsmerkmalen. Die Gesundheitszuchtwerte zeigen auf beeindruckender Art und Weise, was heute schon erreicht wurde und in Zukunft noch erreicht werden kann. Eine züchterische Selektion auf gesund Kühe ist möglich. In einigen KuhVisions-Betrieben der „ersten Stunde“ bedeutet das schon heute: weniger kranke Kühe und weniger prophylaktische Maßnahmen. Die Abb. 2 zeigt die Wahrscheinlichkeit einer Mastitis in der jeweiligen Zuchtwertklasse. Hier wird der Zuchtwert für Euterfitness (RZEuterfit) mit der Inzidenzrate Mastitis gegenübergestellt. Der Zusammenhang zwischen dem Zuchtwert RZEuterfit und Mastistiserkrankung ist auf den ersten Blick zu erkennen. Auch hier gilt: Die Umwelt der Tiere ist in jeder Klasse identisch, da es sich um eine einzelbetriebliche Auswertung handelt. Die Unterschiede innerhalb der Klassen sind auch hier genetischer Natur. Die Wahrscheinlichkeit einer Mastitis liegt in der schwächsten Gruppe bei 31,7 % bei einem RZEuterfit von 95,7. In der besten Klasse sind hingegen nur 4,9 % der Färsen an einer Mastitis erkrankt. (RZEuterfit 112). Wenn man bedenkt, dass die Spitzenbullen mühelos RZEuterfit-Zuchtwerte von über 120 erreichen, ist in den nächsten Jahren ein deutlicher Zuchtfortschritt zu erwarten. Immer heiß diskutiert: Die Melkbarkeit Wieviel Zuchtfortschritt bei der Melkbarkeit weiter nötig ist, darüber lässt sich diskutieren. Der anzustrebende Zuchtwert für Melkbarbeit (RZD), liegt wohl weder bei 76 noch bei 136. Für Betriebe mit automatischem Melksystem lässt sich die Effizienz der Roboter durch einen leichteren Milchfluss der Herde weiter steigern. Doch ein zu leichter Milchfluss kann negative Folgen haben. Tiere mit einer allzu leichten Melkbarkeit neigen zum „Laufenlassen“ der Milch und haben ein höheres Risiko einer Mastitis. Um festzustellen welchen Einfluss der gRZD auf den Milchfluss der Herde hat, lohnt sich ein Blick auf den Genotyp-Phänotyp-Vergleich. Auch lässt sich ableiten, welcher Melkbarkeitszuchtwert anzustreben ist. Die Abb. 3 zeigt eindrucksvoll, welchen Einfluss der Zuchtwert auf die Melkgeschwindigkeit nimmt. Demnach liegen zwischen den „Schwermelkern“ und den „Leichtmelkern“ 1,3 l Milch Minutengemelk. Was aber auch deutlich wird: RZDWerte von deutlich über 100 sind in diesem Betrieb nicht zwangsläufig anzustreben, wenn man bedenkt, dass die Tiere mit einem Zuchtwert um die 113 bereits in der ersten Laktation fast vier Liter Milch Minutengemelk ausweisen. Es ist schwer zu bestimmen, wo der optimale Milchfluss liegt. Sicher ist aber, dass das Melksystem eine sehr große Rolle spielt. AMS-Betriebe sollte höhere RZD-Werte anstreben als die Kollegen mit Melkstand. Strebt der Betrieb im Beispiel ein Minutengemelk von 3 Litern Milch an, so liegt der optimale Zuchtwert bei ca. 95. Jetzt auch ab 40 Tiere Wer Zuchtwerte verstehen und einordnen möchte, muss wissen, wie sich diese auf die Herde und auf das Einzeltier auswirken. Die Genotyp-Phänotyp-Vergleiche sind hierzu hervorragend in der Lage. Sie liefern schnell und präzise Aussagen, die man hierzu benötigt. Seit Kurzem bietet das vit die Auswertungen bereits ab 40 typisierter Tiere mit Eigenleistung an (früher 100). Dies bietet auch kleineren Betrieben nun viel früher die Möglichkeit, ihre Herde hinsichtlich Genotyp-Phänotyp zu analysieren. Abb 2.: Vergleich gRZEuterfit (Genotyp) und Indizrate Mastitis in der 1. La. (Phänotyp) Abb. 3: Vergleich gRZD (Genotyp) und durchschnittliches Minutengemelk in M-kg/min (Phänotyp) RZEuterfit Ø RZEuterfit Ø Mastitis 1. Lakt. % 80 85 90 95 100 105 110 115 4 8 12 16 20 24 28 32 untere 25% 25% - 49% 50-74% obere 25% 31,7 14,6 7,3 4,9 N: 164 Tiere Ø RZEuterfit: 104,0 Ø Mastitis 1. Lakt. %: 14,6 Seite: 1 von 1 RZD ØRZD Ø Durchs. Minutengemelk Mkg/min 80 85 90 95 100 105 110 115 3 3 3 3 3 4 4 4 untere 25% 25% - 49% 50-74% obere 25% 2,6 2,9 3,3 3,9 N: 75 Tiere Ø RZD: 99,4 Ø Durchs. Minutengemelk Mkg/min: 3,2 Vergleich Genotyp und Phänotyp

RkJQdWJsaXNoZXIy MjMxMzg=