phoenix-genetics.de | ZWS 08.2026 4 gZW Milch Ø gZW Milch Ø Milchmenge 1. Lakt. kg -300 0 300 600 900 1.200 1.500 1.800 9.600 10.014 10.429 10.843 11.257 11.671 12.086 12.500 untere 25% 25% - 49% 50-74% obere 25% 9.718,3 10.784,8 11.438,9 12.401,4 N: 129 Tiere Ø gZW Milch: 834,6 Ø Milchmenge 1. Lakt. kg: 11.075,2 Vergleich Genotyp und Phänotyp Genotyp trifft Phänotyp Was uns die Herdentypisierung über die Zukunft unserer Kühe verrät Christoph Niehues-Pröbsting Die genomische Herdentypisierung hat sich in den vergangenen Jahren von einem innovativen Zuchtwerkzeug zu einem festen Bestandteil des modernen Herdenmanagements entwickelt. Mehr als 1,5 Million genotypisierte weibliche Holsteins in Deutschland zeigen eindrucksvoll, welchen Stellenwert die Herdentypisierung inzwischen in den Milchviehbetrieben einnimmt. Wie bestätigen sich die beim Kalb erhobenen Zuchtwerte bei der melkenden Kuh? Das ist die wohl spannendste Frage rund um die Herdentypisierung. Die Stunde der Wahrheit Im Rahmen der Herdentypisierung erhalten Betriebe über das Netrind-Portal des vit nicht nur genomische Zuchtwerte, sondern auch sogenannte Genotyp-Phänotyp-Auswertungen. Diese ermöglichen einen direkten Vergleich zwischen dem genetisch erwarteten Potenzial eines Tieres und den tatsächlich erreichten Leistungen. Gerade in den Bereichen Leistung, Nutzungsdauer und Gesundheit entstehen daraus wertvolle Erkenntnisse über das Potenzial der eigenen Herde. Dabei werden die Tiere in vier Zuchtklassen (Quartile) eingeteilt. Und zwar jeweils nach dem Einzelzuchtwert, der ausgewertet wird, etwa die Milchleistung. Vom schwächsten Viertel der Tiere über beide mittleren Zuchtwertklassen bis hin zum besten Viertel der Herde. Nun wird die tatsächlich erbrachte durchschnittliche Leistung (oder z. B. die Mastitisinzidenzrate) über die Zuchtwerte gelegt. Die große Stärke dieser Auswertungen liegt darin, dass immer nur ein Betrieb (der eigene) ausgewertet wird. Somit können die Umwelteffekte (Futter, Stall, Aufzucht usw.) bei der Analyse vernachlässigt werden, da diese innerhalb eines Betriebes (annähernd) identisch sind. Die unterschiedlichen Phänotypen (Leistung, Gesundheit usw.) der einzelnen Zuchtwertklassen sind also mehr oder weniger ausschließlich mit dem unterschiedlichen genetischen Niveau zu erklären. Zwei Fragen lassen sich durch diese Auswertungen schnell und präzise beantworten: 1. Wie bestätigen sich die Genom-ZW in meiner Herde? 2. Was kann ich in Zukunft von meiner Nachzucht erwarten? Leistung – Von der genetischen Erwartung zur Milch im Tank Kaum ein Merkmal steht stärker im Fokus als die Milchleistung. Denn von allen Einzelmerkmalen der Zuchtwertschätzung hat die Leistung den mit Abstand höchsten Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit der Milchproduktion. Mit den genomischen Zuchtwerten für Milchmenge sowie der Fett- und Eiweißprozente lässt sich das Leistungspotenzial einer Kuh bereits sehr früh einschätzen. In Abb. 1 ist ein Vergleich zwischen Genotyp (gZW Milch-kg) und der Phänotyp (Milch-kg 1. Laktation 305 Tage) dargestellt. In diesem Beispiel liegt der Zuchtwert der unteren 25 % der Herde bei -123 Milch-kg (oranger Balken). Tatsächlich haben diese Tiere im Schnitt 9.718 kg Milch in der ersten Laktation produziert (schwarze Linie). Damit liegt diese Gruppe 1.375 kg Milch unter dem Mittelwert der Herde (11.075 kg Milch). Das beste Viertel der Erstlaktierenden hat mit einem Zuchtwert von +1.705 kg Milch, 12.401 kg Milch Färsenleistung produziert und liegt damit 1.326 kg Milch über dem Herdenmittel. Es lässt sich also ein fast linearer Zusammenhang zwischen dem Genomzuchtwert und der tatsächlich erbrachten Leistung der Klassen feststellen. Um das zukünftige Leistungsniveau einer Herde abzuschätzen, eignen sich die Genotyp-Phänotyp-Auswertungen ebenfalls hervorragend. Gelingt es dem Betrieb im Beispiel das genetische Niveau der Herde auf das der besten 25 % zu heben, melken die Färsen anstatt 11.075 kg Milch zukünftig 12.401 kg Milch. Und das allein aufgrund einer besseren Genetik. Abb 1.: Vergleich gZW-Milch-kg (Genotyp) und Milch-kg 1. Laktation (Phänotyp)
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