RUW-Schau in neuem Gewand

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RUW-Schau in neuem Gewand

„Was würde sich unter dem neuen Namen RUWSchau+ wohl verbergen?“, fragte sich so mancher Besucher der diesjährigen RUW-Schau in Hamm. Neben dem Schauprogramm informierte eine Fachmesse über alle Dienstleistungs- und Servicebereiche der RUW. Ein interessanter Fachvortrag und anschließdender Podiumsdiskussion lockten, trotz bestem Erntewetter, viele Besucher nach Hamm.

Fachmesse und Diskussionsrunde   
Erstmalig fand vor dem Schauprogramm eine Vortrags- und Gesprächssrunde statt. Hierfür konnte die RUW zum einen Hilmar Zarwel von der LLG Iden zum anderen Peter Meutes aus Rommersheim gewinnen. In einem sehr kurzweiligen Vortrag stellte Hilmar Zarwel den Betrieb der LLG Iden, der bundesweit für seine hohen Lebensleistungen bekannt ist und mit dem Management-Award anlässlich der German Dairy Show ausgezeichnet wurde, vor. Er betonte, dass Zucht einen wichtigen Platz im Betriebsmanagement einnehmen sollte. Etwa 20 % des Betriebserfolges liegt in der Zucht, so Zarwel. Genomische Zuchtwerte spielten hierbei eine große Rolle. In der anschließenden Podiumsdiskussion bestätigte Peter Meutes seinen Berufskollegen. Der über Jahre äußerst erfolgreiche Züchter ist ein Herdentypisierer der ersten Stunde. Die Sicherheit der Genomzuchtwerte sei immer wieder beeindruckend und besonders im Hinblick auf die Gesundheits- und Leistungszuchtwerte eine große Hilfe, so Meutes. Obwohl viele Betriebe bei bestem Wetter sicherlich mit Feldarbeiten beschäftigt waren, stieß unsere Veranstaltung auf ein reges Interesse, so dass dieses Format bei der nächsten Schau sicherlich wiederholt wird.

Jersey und Fleckvieh starten
Wie bei jeder RUW-Schau eröffneten auch in diesem Jahr die Rassen Fleckvieh und Jersey den Schauwettbewerb. Juliane Haßbargen aus Barstede hatte neben den rotbunten Klassen auch das Richteramt für die Jerseyklasse übernommen. In ihrer Kommentierung zeigte sie sich tief beeindruckt von der Qualität der präsentierten Kühe. Am Ende setzte sich die „absolut fehlerfreie“ einkalbige Primero-Tochter ZH Smoothie vom Zuchtbetrieb Henkelmann aus Wadersloh vor der ebenfalls einkalbigen und extrem euterstarken Joel-Tochter WIT June von der Köster KG aus Steinfurt durch.

Der Fleckviehklasse attestierte der erfahrene Preisrichter Jost Grünhaupt aus Hessen Bundesschauniveau. Die 3-kalbige Hutera-Tochter Bea von der Willems & Wollscheid GbR aus Lampaden erwischte einen Sahnetag. Aufgrund ihrer extremen Länge, Ausstrahlung  und eines klasse Euters führte an ihr kein Weg vorbei. Reservesiegerin wurde die sehr harmonische 4-kalbige Costa-Tochter KFV Leana von Stefan Kaufmann aus Much.

Im Anschluss an diese beiden Klassen wurde zum ersten Mal in der Geschichte der RUW-Schau ein Interbreed-Champion gekürt. Die Preisrichter hatten die schwierige Aufgabe, aus den unterschiedlichen Siegerkühen der Rassen Jersey und Fleckvieh eine Siegerkuh zu küren. „Welche Kuh würde dem jeweiligen Zuchtziel am nächsten kommen?“, war hier die Frage. Erster Interbreed-Champion wurde die Jersey-Färse ZH Smoothie von Mechthild Henkelmann.

Färsenklassen
Die rot- und schwarzbunte Holsteinkonkurrenz startete mit den Färsenklassen. In der ersten Rotbunt-Klasse machte die Zeta P-Tochter WR Malin von Ludger Wiewer aus Rinkerode verdient das Rennen. Mit einem enormen Typ ausgestattet setzte sie sich gegen die euterstarke NH Dina von Awesome vom Zuchtbetrieb Nosbisch aus Niederweis durch. In der zweiten Klasse siegte die typstarke Durango-Tochter ZS Fergie von der Zens GbR aus Musweiler. Dicht gefolgt von der euterstarken Brekem-Tochter SUN Rumba von der Stöcker GbR aus Engelskirchen. Zur rotbunten Siegerfärse wurde WR Malin gekürt. Die Halbschwester von WR Minnessota, Grand Champion von 2017, war an diesem Abend einfach nicht zu schlagen. Hinter ihr platzierte sich ZS Fergie als Reservesiegerfärse.

Die Schwarzbuntklassen wurden in diesem Jahr von dem Niederländer Jan Steegink übernommen. Dass seine erste 1a-Färse des Tages, die Solomon-Tochter DS Nebra von der Züchtergemeinschaft Lohmann, Lemmer, vom Stein, heute eine größere Rolle spielen würde, merkte man schon bei der Begründung.  Tief beeindruckt zeigte sich Steegink von der enormen Qualität dieser Färse. Auf dem 1b-Platz lief die sehr großrahmige Emilio-Tochter THL Pitu der Zuchtstätte Börsch aus Wipperfürth. Die zweite Färsenklasse dominierte die langgestreckte und euterstarke Dewars-Tochter Babe von Wiethege/von Stein, Halver. Ihr folgte die typvolle Beemer-Tochter La Tifah von Dark Lemmer, Radevormwald. In der dritten Klasse positionierte sich die Arvis-Tochter NH Princy von Matthias Nosbisch, Niederweis, vor der Bankroll-Tochter Corona von Norbert Zehren aus Kirf. Wohl früh war dem engagierten Preisrichter klar, dass es bei den schwarzbunten Färsen nur eine sein könnte: DS Nebra. Sie wurde zur verdienten Siegerfärse und platzierte sich vor der Reservesiegerin NH Princy.

Zu einem weiteren Höhepunkt kam es dann bei der Auswahl des Junior-Champions. Durch die Spots in Szene gesetzt und musikalisch untermalt standen sich WR Malin und DS Nebra gegenüber. Vor seiner Bekanntgabe heizte Steegink dem Publikum ordentlich ein, ehe er DS Nebra zum Junior-Champion 2019 kürte.

Mittlere Kuhklassen
Den ersten Klassensieg bei den mittleren rotbunten Kühen sicherte sich die äußerst korrekte MATISSE RED-Tochter Halalie von Willi Achten aus Kempen. Ihr folgte die bekannte typvolle PRESENT-Tochter ST Alwine von Heinz-Gerd Stegemann aus Hamminkeln. Die zweite Klasse wurde klar dominiert von der LABEL P-Tochter NH Virgina, bekannt von der diesjährigen Bundesschau in Oldenburg. Ihr fantastisches Euter ließ sie vor der typstarken Ladd P-Tochter ZS Flarouge, Besitzer ist die Zens GbR aus Musweiler, laufen. In der letzten mittleren Klasse der rotbunten Kühe setzte die Preisrichterin zwei sehr typstarke Kühe nach vorne. Hier siegte WIT Jolie von Thomas Wiethege, Halver, vor der mit einem perfekten Seitenbild ausgestatteten JULANDY-Tochter Goja aus der Zuchtstätte Hilbk-Kortenbruck aus Hamm.  WIT Jolie beeindruckte durch ihren enormem Typ und ihre fantastische Ausstrahlung was ihr bei der anschließenden Siegerauswahl die Siegerschärpe einbrachte.  Nur knapp geschlagen geben musste sich die Reservesiegerin NH Virgina. 

Gleich sieben mittlere Schwarzbuntklassen waren an diesem Tage zu richten. In der ersten Klasse dieser Kategorie setzte sich die County-Tochter NH Milo von Matthias Nosbisch aus der bekannten Zuchtkuh NH Marilyn klar an die Spitze. Mit einem tollen Milchtyp und Euter ausgestattet ließ sie der Konkurrenz keine Chance. Ebenfalls einen Klassensieg holte sich die Icone-Tochter WIT Tamina aus der Züchtergemeinschaft Wiethege/ Nette Holsteins. Sie konnte mit bestem Euter und enormen Kaliber punkten. Eine offene Rippe und ein ebenfalls hervorragendes Euter verhalfen der Goldday-Tochter Wendy von der Crummenerl/Hedfeld/Peveling GbR, Kierspe, zu einem Sieg in ihrer Klasse. Die schauerfahrene Bradnick-Tochter RZB Shandra, Siegerfärse der Färsenschau 2018, von der Köster KG aus Steinfurt, holte sich souverän die 1a-Platzierung. Besonders ihr fest ansitzendes Euter beeindruckte den Preisrichter sehr. Als die Impression-Tochter Lara aus der Zuchtstätte Köster KG den Ring betrat, zog sie sofort  die Zuschauer und den Preisrichter in ihren Bann. Sie war ihren Mitstreiterinnen in allen Belangen überlegen und ließ erahnen, wo der Weg für diese Ausnahmeerscheinung noch hinführen könnte. Die folgende Klasse wurde von der sehr kapitalen und harmonischen  EPOCHAL-Tochter Tequila aus der Zuchtstätte Christa Ewig aus Stolberg dominiert. Einen absolut beeindruckenden Auftritt legte die Epic-Tochter WR Makenzie von Ludger Wiewer hin. Ihre extreme Ausbalanciertheit brachte ihr den Klassensieg.   

Ein beeindruckendes Bild bot sich den Zuschauern, als sich die 14 1a- und 1b-Kühe der mittleren Klassen im Ring versammelten. Aus diesen 14 Kühen wählte Steegink seine vier Favoritinnen aus. Dies waren NH Nilo, WIT Tamina, Lara und WR Makenzie, allesamt Kühe mit Bundeschau-Format. Dennoch stach eine Kuh besonders heraus. An Lara war an diesem Abend einfach kein Vorbeikommen. Hinter ihr platzierte sich WIT Tamina. Der große Beifall des Publikums unterstützte hier die Entscheidung des Preisrichters.

Alte Kuhklassen
Eine weitere Neuerung auf der RUWSchau+ ist die Sortierung der Kühe ab dem 4. Kalb nach der Lebensleistung. Den ersten Klassensieg dieser Königsdisziplin holte sich die mittelrahmige und extrem korrekte Lonar-Tochter Brendy von der Böhl-Melbach GbR aus Erndtebrück. Knapp geschlagen geben musste sich die sehr kapitale ANTARES-Tochter Elaine von Marco Sonntag, Pomster. Eine alte Bekannte betrat in der nächsten Klasse den Ring, nämlich die Goldboy-Tochter EsH Esperanza aus der Zuchtstätte Engel, Hetzerath. Die Siegerkuh mittel der RUW-Schau  2017 holte sich klar den Klassensieg vor der sehr harmonischen ANTARES-Tochter Tassia von Klemens Belting aus Hamminkeln. In einer absoluten Topform befand sich die Bundesschaukuh Lena von Mr. Sam  von der Zuchtstätte Matthias Nosbisch. Trotz ihrer 80.000 kg Lebensleistung wirkte sie überaus frisch und bestach mit ihrem klasse Typ und Euter. Knapp dahinter platzierte sich eine Tochter von unserem Altmeister GIBOR. Die 7-kalbige Ursly von Crummenerl/Hedfeld/Peveling präsentierte sich Gibor-typisch äußerst frisch und vital. Für Gänsehautmomente sorgte die Klasse der Kühe mit den höchsten Lebensleistungen. Acht Kühe mit einer durchschnittlichen Lebensleistung von fast 100.000 kg Milch! Drei Kühe haben die 100.000 kg-Grenze  bereits überschritten. Wohl jede Kuh hätte hier einen Siegertitel verdient gehabt. Am Ende setzte sich die Lauthority-Tochter Laura von Christoph Hamacher aus Kürten klar durch. Mit einem nahezu perfekten Typ siegte sie vor der Zabing RDC-Tochter WIN Amori von Hubertus Winter aus Oelde. Amori wirkte trotz ihrer beeindruckenden 108.000 kg Milch Lebensleistung in nur sechs Laktationen extrem frisch.

Der Siegertitel bei diesen älteren schwarzbunten Schaudamen erhielt verdient die typvolle Lena von Nosbisch vor der enorm vitalen Laura von Hamacher.

Eine extreme Qualitätsdichte herrschte in den Klassen der alten rotbunten Kühe. Viele bekannte Schaudiven trafen hier aufeinander. Die erste Klasse endete mit einem Doppelsieg für die Zuchtstätte Wiewer. Zwei Halbschwestern aus der bekannten Schaukuh Bella (v. Jotan) setzten sich klar an die Spitze. Die Aikman-Tochter WR Brandy hatte die Nase vorn und bestach durch ganz viel Harmonie und ein Euter, wie man es sich von einer 4-Kalbskuh nur wünschen kann. Bei ihrer Kommentierung kam die Preisrichterin ins Schwärmen. In der Klasse mit den höchsten Lebensleistungen holte sich die bekannte Schaukuh Emmi (von Apple), Besitzer Thomas Wiethege aus Halver, den Sieg vor der typstarken Braxton-Tochter Lis Golda von der Besitzergemeinschaft Thomas Kreutz und Andreas Abs, Wilsecker. Die mit Abstand höchste Lebensleistung (130.000 kg Milch) aller rotbunten Kühe hatte die Erasmus-Tochter WIT Icecoup von Thomas Wiethege aus Halver. Ihre extreme Frische in Typ und Fundament ließ sie auf einen guten 4. Platz laufen. Bei der Siegerauswahl rotbunt alt waren es die beiden Kühe von Ludger Wiewer, die sich den Sieg teilten. WR Brandy wurde zur Sieger- und WR Bacardi zur Reservessiegerkuh gekürt. 

Ehrungen der höchsten Lebensleistungen
Neben dem Schauwettbewerb wurden auch die höchsten Lebensleistungen geehrt. Neun Holstein-Kühe mit den höchsten Lebensleistungen der Schau wurden dem Publikum noch einmal separat vorgestellt. Angesichts der Frische und der Exterieurqualität dieser verdienten Kühe, zeigten sich die Besucher der Schau tief beeindruckt. Es war eine sehr gelungene Demonstration der Rasse Deutsche Holsteins, die wie keine andere Rasse in der Lage ist, enorm produktive und äußerst gesunde und vitale Kühe hervorzubringen. Auf die mit Abstand höchste Lebensleistung kam die PERCY-Tochter Amercy von Volker Elsermann aus Hamminkeln. Sie brachte es auf bisher 140.000 kg in nur sieben Laktationen. Amercy hatte zusammen mit ihrer Mutter und Großmutter auch die höchste 3-Generationen-Lebensleistung. Hier kommt diese Ausnahmeerscheinung auf über 300.000 kg Milch. Die hohe Anzahl an Kühen mit hohen und sehr hohen Lebensleistungen bei der RUWSchau+ – insgesamt über 30 Kühe jenseits von 50.000 kg Lebensleistung – zeigt, dass das Konzept dieser Schau sehr gut angenommen wurde und weiter verfolgt werden muss.

Der letzte Akt: Auswahl des Grand Champions
Der letzte und größte Moment einer jeden Schau ist die Auswahl des Grand Champions. Gänsehaut und Spannung beim Einmarsch der Siegerkühe. Ein fantastisches Bild bot sich dem Publikum. Am Ende konnte es aber nur eine sein, die sich Grand Champion 2019 nennen darf. Die Wahl fiel verdient auf die Impression-Tochter Lara von der Köster KG in Steinfurt. Herzlichen Glückwunsch zu diesem besonderen Erfolg!

 

 

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